Verdächtige Geldtransfers: Auch Manroland steht unter Korruptionsverdacht

Verdächtige Geldtransfers
Auch Manroland steht unter Korruptionsverdacht

Der Druckmaschinenhersteller soll mit dubiosen Überweisungen das Geschäft angekurbelt haben. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Ex-MAN-Tochter. Im Unterschied zu anderen Korruptionsfällen kooperiert Manroland allerdings mit den Behörden.
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FRANKFURT/MÜNCHEN. Mit dem Maschinenbauer Manroland ist ein weiteres Unternehmen aus der MAN-Welt in den Sumpf der Korruption gerutscht. Bei einer internen Untersuchung habe sich der Verdacht erhärtet, dass in Teilen des Vertriebs Provisionszahlungen ohne Gegenleistungen geflossen seien, teilte der weltweit drittgrößte Hersteller von Druckmaschinen gestern mit. Zum Umfang der verdächtigen Geldtransfers machte die frühere MAN-Tochter keine Angaben. Dafür sei es zu früh, sagte eine Sprecherin.

Im Zentrum der Ermittlungen steht die Tochter Votra, die vornehmlich in der Schweiz aktiv war. Aber auch in anderen Ländern geht Manroland Unregelmäßigkeiten nach. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Jahre 2002 bis Anfang 2007 und damit weitgehend auf die Zeit, als der Nutzfahrzeugkonzern MAN Eigentümer der Offenbacher Firma war. Seit 2006 ist Manroland mehrheitlich im Besitz des Finanzinvestors AC, der zur Allianz-Gruppe gehört. Der MAN-Konzern hält noch 35 Prozent an Manroland.

Mit dem Eigentümerwechsel wurden die Compliance-Richtlinien verschärft, wie die Sprecherin sagte. Aufgefallen sind die verdächtigen Zahlungen aber erst bei internen Stichproben im Vorfeld einer geplanten Betriebsprüfung durch das Finanzamt. Eine vom Unternehmen in Auftrag gegebene Untersuchung durch die Kanzlei Flick Gocke Schaumburg förderte dann weitere Hinweise auf Schmiergeldzahlungen ans Tageslicht.

Vorstandschef Gerd Finkbeiner kündigte eine konsequente Aufklärung an. Dies habe vor dem Hintergrund der jüngst angekündigten Umstrukturierung von Manroland "höchste Priorität", sagte er. Finkbeiner ist seit 1999 Vorstandschef und auch für den Vertrieb verantwortlich. Manroland hat in der Krise fast 50 Prozent seiner Aufträge verloren und will weitere 500 seiner noch 6 000 Arbeitsplätze abbauen. Inzwischen wurde die Staatsanwaltschaft Darmstadt eingeschaltet. Ein Sprecher der Behörde bestätigte, dass ein Ermittlungsverfahren nach einem Hinweis von Manroland eingeleitet worden sei. Das Unternehmen verhalte sich sehr kooperativ, sagte er.

Damit unterscheidet sich die Causa Manroland erheblich von den Korruptionsfällen von Ferrostaal und dem MAN-Konzern. Bei diesen trugen und tragen erst externe Ermittlungen zur Aufklärung bei, nachdem Steuerprüfer Verdacht geschöpft hatten.

Bei MAN selbst hat ein Schmiergeldskandal in der Lkw-Sparte sowie bei der Tochter Turbomaschinen und der 2009 verkauften Handelstochter Ferrostaal für Schlagzeilen gesorgt. Die Staatsanwaltschaft München vermutet, dass insbesondere im Auslandsgeschäft mit Bussen und Kompressoren Schmiergelder in zweistelliger Millionenhöhe geflossen sind. Fast die gesamte Führungsriege um den damaligen Vorstandschef Håkan Samuelsson verlor im Herbst 2009 ihren Posten. Anwaltskosten und Bußgelder belasteten MAN mit rund 250 Mio. Euro. Die Ermittlungen bei Ferrostaal dauern noch an.

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