Verdrehte Welt
China lässt Kühlschränke in Italien bauen

Produktionsverlagerung mal andersherum: Statt in Fernost stellt Haier seine Haushaltsgeräte aus Kostengründen in Europa her. Die Nähe des Marktes ist ausschlaggebend für die Entscheidung. Und auch das italienische Design ist vorteilhaft.
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PADUA. Einen Kühlschrank zu bauen, das ist viel Handarbeit. In der Werkshalle des chinesischen Haushaltsgeräteherstellers Haier befestigen Männer und Frauen Kabel an weißen Kühlschrank-Innenkörpern, spritzen Schaum ein und betätigen die Stanzen, die die Türen formen.

Doch die Arbeiter hier heißen nicht May-Ling, Lee Wong oder Zhang Yin. Sie heißen Giovanni, Giuseppe und Francesca.

Während viele europäische Unternehmen ihre Produktion in das Billiglohnland China verlagern, geht Haier den umgekehrten Weg: Das Unternehmen aus Fernost produziert im italienischen Nordosten, zwanzig Kilometer von Padua entfernt. Dort, in Campodoro, sind nur in den Büroräumen zwei Chinesen zu sehen: ansonsten nur Italiener.

Kein teurer Transport

"Es ist wichtig, in der Nähe des Marktes zu produzieren, um schneller auf die Nachfrage reagieren zu können" sagt René Aubertin, der Europa-Chef von Haier. Wer in China herstelle, müsse vier Wochen für die Produktion und weitere vier für den Transport rechnen. Viel zu lang. "Auch wenn die Vertriebspartner Sonderaktionen für den nächsten Monat planen, haben Sie verloren, wenn Sie nur in China produzieren", erklärt der Franzose. Hinzu komme, dass der Transport für so voluminöse Produkte wie Kühlschränke sehr teuer sei. Und noch etwas sprach für den Umzug: "Beim Design ist es von Vorteil, in Italien zu sitzen", so Aubertin.

Mit einem Umsatz von mehr als 18 Milliarden US-Dollar ist Haier der größte Haushaltsgerätehersteller weltweit. Die Erfahrung mit den Europäern ist dem 1984 in Qingdao gegründeten Unternehmen nicht neu. Die ersten Kühlschränke von Haier gehen auf ein Joint Venture mit den Deutschen von Liebherr zurück. Auch der Name Haier stammt aus der Zeit: Haier soll der Legende nach die chinesische Aussprache der zweiten Silbe von Liebheer sein. Doch die Zusammenarbeit ging nicht lange gut. Der Grund: Die Deutschen waren den Chinesen einfach nicht flexibel genug.

Denn flexibel sein muss man, wenn man mit Chinesen zusammenarbeitet - davon weiß auch Aubertin zu berichten: "Chinesen reagieren sofort: auf den Markt wie auf die E-Mail. Aber sie erwarten das auch von allen, die für sie arbeiten."

Auch Francesco Albrizio, Direktor des Werks in Campodoro, sieht die Unterschiede. "Chinesen sind komplett anders: entweder lässt man sich davon frustrieren oder findet es stimulierend." Er hat sich für die zweite Möglichkeit entschieden, auch wenn es nicht immer einfach ist. Als etwa die Nachfrage schwächelte, schlugen die Chefs im chinesischen Qingdao vor, alle rauszuschmeißen und einen Monat später einfach wieder einzustellen. "Als ich ihnen erklärt habe, dass das nicht geht, haben sie die Italiener für verrückt gehalten. Aber mittlerweile trauen sie mir und lassen mich machen", sagt Albrizio.

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  • immer hin haben in China Firmenchefs verstanden wie Markt im Ausland besser erobern kann. Außer große Unternehmen aus Deutschland, gibt es immer noch wenige kleine und Mittelständler die in boom Markt indien trauen. Geschäftleute mit Angst werden überall schwerer haben. Mut zum Handel auch in unserere boden ist notwendig. Dazu kommt, dass wir im Ausland mehr Anpassunggesfähigkeit, Landesarbeitskultur und Landessprache vertehen. Genau da klappt es nicht mit deutsche Experten, Firmen in indien.

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