Vereinigung mit Schwesterbetrieb
Familienzusammenführung bei Pelikan

Es gibt Marken, die sind nicht kaputt zu kriegen. Wenn sie mal ganz am Boden liegen, dann erscheint wieder ein Hoffnungschimmer. Pelikan ist so ein Beispiel. Das Unternehmen steht seit dieser Woche vor einer tiefgreifenden Neuordnung.

ZÜRICH. Wem fällt beim Blick auf den weißen Pelikan vor tintenblauem Hintergrund nicht der erste Füller ein? Er funktionierte mit Patronen. Die Jungs standen auf dem Schulhof und sagten: „Drei F’s verleiht man nicht - Frauen, Fahrzeuge, Füller.“ Oder der erste Tuschkasten? Oder die silberne Blechdose mit Stempelkissen? Wer die Firma verfolgt hat, die all diese Erinnerungsstücke produziert, erinnert sich auch an unschöne Szenen: Etwa als im hannoverschen Stammwerk die Lichter ausgingen, dort wo Jahrzehnte lang tatsächlich ein lebendes Pelikanpärchen Wache gehalten hatte. Oder als der damalige Boss des Handelsriesen Metro, Erwin Conradi, die Aufspaltung von Pelikan verkündet, während draußen wütende Mitarbeiter protestieren und drinnen dem Betriebsrat die Tränen in den Augen stehen.

Das Traditionsunternehmen gerät 1982 zum ersten Mal in eine Schieflage, nachdem es sich nicht mehr auf seine Tinte verlassen hatte, sondern glaubte, zum Beispiel auch Kopiergeräte herstellen zu können. Pelikan macht pleite, wird später von Metro gekauft. Die Holding siedelt ins Schweizer Steuerparadies Zug um, wohin sich auch die Metro-Chefs zurückgezogen haben. Die Händler der Metro merken schnell, dass sie von einem Industriebetrieb keine Ahnung haben und wollen verkaufen.

Als sie Pelikan im Stück nicht loswerden, zerlegen sie das Unternehmen in seine Einzelteile. Henkel schnappt sich Klebestift und Korrekturflüssigkeit. In Peine bei Hannover bleibt das Stammwerk, in dem Schreibgeräte entstehen. In Rotkreuz bei Zürich lässt sich Pelikan Hardcopy nieder, ein Unternehmen das sich auf Druckertinte spezialisiert, erst Amerikanern gehört und später von einer Investmentgesellschaft übernommen wird. Und im fernen Malaysia entsinnt sich der smarte Millionär und Logistik-Unternehmer Loo Hooi Keat, dass er schon als Junge einen Füller von Pelikan besaß und niemals verliehen hat. Der heute 52jährige kauft die Mehrheit an der Schweizer Holding. In seinem Büroturm am Rande der malayischen Hauptstadt Kuala Lumpur hängt nun ein alter Druck: Die Pelikanwerke in Hannover, wie sie Anfang des 20. Jahrhunderts aussahen, gefasst in einem vergoldeten Holzrahmen.

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