Verfahren in Stuttgart eröffnet
Schrempps Rücktritt vor Gericht

Die Rücktrittsankündigung des früheren Daimler-Chrysler-Chefs Jürgen Schrempp und der damit ausgelöste Kurssprung der Aktie beschäftigen seit Mittwoch die Gerichte. Die Kläger wollen beweisen, dass Daimler den Rückzug Schrempps zu spät bekannt gegeben hat.

HB STUTTGART. Die Gruppe beruft sich dabei auch auf die laufenden Ermittlungen gegen Daimler-Aufsichtsrat Hilmar Kopper. „Es liegt auf der Hand, dass die Deutsche Bank AG vorab von der Personalentscheidung und dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung Kenntnis hatte“, heißt es in der Klageschrift des Rechtsanwalts Klaus Rotter, der einen der beiden Ex-Aktionäre vertritt, die Daimler wegen entgangener Kursgewinne auf Schadenersatz verklagen. Seit wenigen Tagen ist Aufsichtsratschef Kopper wegen angeblicher Insidergeschäfte im Visier der Staatsanwaltschaft. Die Ermittler gehen Hinweisen nach, dass Kopper Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vorab über die Spitzenpersonalie informiert habe. Nicht nur der Handel mit Insiderinformationen ist eine Straftat, auch die unberechtigte Weitergabe von solchem Wissen.

Der Prozess wirft damit auch ein Schlaglicht auf die Rolle der Deutschen Bank beim Führungswechsel. Rotter geht davon aus, dass der Verkauf von Daimler-Aktien durch die Bank bereits von langer Hand vorbereitet wurde. Der Münchener Rechtsanwalt Franz Braun, der den anderen Kläger gegen Daimler vertritt, sieht in den Ermittlungen sogar eine Art Vorentscheidung zugunsten der Kläger, weil auch die Ermittler offenbar davon ausgingen, dass Daimler die Informationen über den Schrempp-Rücktritt nicht vertraulich behandelt habe.

Im Verfahren vor dem Stuttgarter Amtsgericht räumte gestern der Anwalt von Daimler-Chrysler Georg Thoma ein, dass nach der Hauptversammlung im Mai 2005 Kopper und Schrempp über die Absichten zu einem vorzeitigen Ausscheiden Schrempps diskutiert hätten. Es sei aber nichts aus dem Kreis der so genannten Primär-Insider nach außen gedrungen. Für den Fall, dass die Vertraulichkeit gewährleistet ist, sieht das Wertpapierhandelsgesetz eine Ausnahme von der Pflicht zur unmittelbaren Veröffentlichung der Information vor. Am 15. März will die Vorsitzende Richterin im Amtsgericht entscheiden, ob es zur Beweisaufnahme kommt oder nicht. Wenn ja müsste unter anderem Schrempp in den Zeugenstand. Die Streitwerte sind gering, doch sollte der Kläger gewinnen, droht Daimler-Chrysler eine Prozesslawine.

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