Verfehlte Rüstungspolitik
Airbus-Chef Enders poltert gegen von der Leyen

Airbus-Chef Tom Enders wehrt sich gegen die massive Kritik aus dem Verteidigungsministerium. Die deutsche Politik sei jahrelang unehrlich gewesen – und für die Probleme bei der Bundeswehr selbst verantwortlich.
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BerlinAngriff ist die beste Verteidigung, das weiß auch Airbus-Chef Tom Enders und schaltet im Streit mit dem deutschen Verteidigungsministerium auf Attacke. Seine Kritik fällt deutlich aus: „Was wir heute sehen, ist das Ergebnis eines jahrelangen, unehrlichen Umgangs miteinander“, beklagt Enders im Interview mit dem Magazin "Cicero". Es werde der Sache nicht gerecht, „den Schwarzen Peter allein nun bei uns abzuladen“.

Experten hatten in einem Gutachten im Auftrag von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) massive Verzögerungen und Verteuerungen bei den neun größten Rüstungsprojekten der Bundeswehr festgestellt. Das Gutachten weist auf rund 140 Probleme und Risiken bei diesen Projekten hin, in einem Gesamtvolumen von 57 Milliarden Euro. Die Gutachter kritisierten auch, dass der Bund seine Verträge mit der Rüstungsindustrie schlecht vorbereite.

Zu den untersuchten Vorhaben gehört auch das Transportflugzeug A400M von Airbus. Von der Leyen hat wiederholt beklagt, dass sich etwa die Auslieferung des Militärtransporters und des Hubschraubers NH90 um Jahre verzögert.

Mit heftigen Worten kritisierte der Airbus-Chef die Strukturen und Arbeitsweise im Verteidigungsministerium: „Ich kenne keine Rüstungsbürokratie, die risiko- und verantwortungsscheuer agiert als die deutsche.“ Diese Haltung hat sich nach Ansicht von Enders „tief hineingefressen in die Verwaltung, die im Übrigen viel zu wenig kommuniziert mit dem militärischen Endkunden.“

Sein Unternehmen habe beim A400M gut vier Milliarden Euro draufzahlen müssen. An den 175 Flugzeugen für europäische Kunden werde Airbus keinen Cent verdienen. Die Bundeswehr werde ihre A400M aller Voraussicht nach Ende November bekommen.

Zugleich kündigte Enders Konsequenzen aus dem Fall an. „Wir werden uns nicht noch einmal in die Tasche lügen und von Regierungen zu Programmvereinbarungen drängen lassen, wenn die zugrunde liegenden Termine und Budgets von vorneherein unrealistisch sind“, sagte er. „So einen Vertrag wie bei A400M unterschreiben wir nie wieder, so viel steht fest.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Verfehlte Rüstungspolitik: Airbus-Chef Enders poltert gegen von der Leyen"

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  • Wie solche Beschaffungsmaßnahmen ablaufen steht in der Wirtschaftswoche vom 30.9.2013:
    Hier ein Ausschnitt: „Als sich die verbliebenen Länder und Unternehmen mit den Neulingen Italien und Spanien dann zur Jahrtausendwende endlich geeinigt hatten, war der Flieger zu einem extrem anspruchsvollen Projekt geworden. Als „Eierlegende Wollmilchsau“ sollte der Alleskönner nicht nur auf besseren Waldwegen landen und extreme Manöver abkönnen wie sehr enge Kurven oder steile Landungen der Gattung „kontrollierter Absturz“. Besonders Deutschland und Frankreich wollten, dass die Wundermaschine sowohl besonders langsam und tief fliegen kann als auch besonders schnell und hoch. Und sie wollten den Panzertransporter nicht nur im Flug betanken können, sondern auch als fliegende Tankstelle für andere Maschinen wie Kampfjets nutzen.
    Wie oft das in der Praxis gebraucht wurde, war nicht entscheidend. Denn die Ansprüche hatten eine Nebenfunktion. Sie dienten den Luftwaffen und dem inzwischen zur EADS & Co. konsolidierten Hersteller-Konsortium auch dazu, unliebsame Konkurrenz abzuwehren. Denn angesichts der hohen Kosten, forderten nicht zuletzt deutsche Parlamentarier, statt des A400M lieber günstigere aber technisch überholte Transporter aus den USA oder Russland zu kaufen. Das ließ sich mit den anspruchsvollen Vorgaben jedoch trefflich verhindern. Denn die Technik hielten Hersteller zwar für schwierig genug, doch am Ende beherrschbar".

  • Enders hat es auf den Punkt gebracht ... Leyen ist unfähig! Weg mit diesen ganzen Versagern.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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