Verfehlte Rüstungspolitik Airbus-Chef Enders poltert gegen von der Leyen

Airbus-Chef Tom Enders wehrt sich gegen die massive Kritik aus dem Verteidigungsministerium. Die deutsche Politik sei jahrelang unehrlich gewesen – und für die Probleme bei der Bundeswehr selbst verantwortlich.
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Airbus-Chef beklagt „unehrlichen Umgang“ mit Bundeswehr

Airbus-Chef beklagt „unehrlichen Umgang“ mit Bundeswehr

BerlinAngriff ist die beste Verteidigung, das weiß auch Airbus-Chef Tom Enders und schaltet im Streit mit dem deutschen Verteidigungsministerium auf Attacke. Seine Kritik fällt deutlich aus: „Was wir heute sehen, ist das Ergebnis eines jahrelangen, unehrlichen Umgangs miteinander“, beklagt Enders im Interview mit dem Magazin "Cicero". Es werde der Sache nicht gerecht, „den Schwarzen Peter allein nun bei uns abzuladen“.

Experten hatten in einem Gutachten im Auftrag von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) massive Verzögerungen und Verteuerungen bei den neun größten Rüstungsprojekten der Bundeswehr festgestellt. Das Gutachten weist auf rund 140 Probleme und Risiken bei diesen Projekten hin, in einem Gesamtvolumen von 57 Milliarden Euro. Die Gutachter kritisierten auch, dass der Bund seine Verträge mit der Rüstungsindustrie schlecht vorbereite.

Zu den untersuchten Vorhaben gehört auch das Transportflugzeug A400M von Airbus. Von der Leyen hat wiederholt beklagt, dass sich etwa die Auslieferung des Militärtransporters und des Hubschraubers NH90 um Jahre verzögert.

Das sind die größten Waffenhersteller der Welt
Platz 10: L-3 Communications
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Platz 10: L-3 Communications

Das Unternehmen mit Sitz in New York ist bekannt als Hersteller der Körperscanner an Flughäfen (im Bild der damalige Innen- und heutige Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Hamburg 2010). Laut Sipri erwirtschaftet L-3 Communications aber 82 Prozent seines Umsatzes mit militärischem Gerät. Produziert werden vor allem Kommunikations- und Navigationssysteme. Insgesamt kommt das Unternehmen in der Militärsparte auf einen Umsatz von 12,5 Milliarden Dollar.

Erlöse aus Waffenverkauf 2012:

10,84 Milliarden Dollar

Erlöse aus Waffenverkauf 2011:

12,52 Milliarden Dollar

Gesamterlös:

13,15 Milliarden Dollar

Anteil der Waffenverkäufe am Gesamtgeschäft:

82 Prozent

Gesamtgewinn 2012:

0,78 Milliarden Dollar

Mitarbeiter weltweit:

51.000

Platz 9: Finmeccanica (Italien)
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Die Italiener bauen Flugzeuge, Hubschrauber, Panzer und Schiffsgeschütze, aber auch den Hochgeschwindigkeitszug ETR 500. Mit einem Umsatz von 9,3 Milliarden Dollar in der Militärsparte ist Finmeccanica nicht nur im internationalen Waffenmarkt bedeutend, die Firma ist auch zweitgrößter Arbeitgeber Italiens.

Platz 8: United Technologies (USA)
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US-Unternehmen dominieren die Top Ten der weltweit größten Rüstungsfirmen. Der Mischkonzern United Technologies hat mit seiner Militärsparte im vergangenen Jahr 9,5 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet. Damit konnte das Rüstungsunternehmen nicht an das starke vergangene Jahr anknüpfen – auch, weil die Hubschraubersparte Sikorsky Mitte 2015 für 9 Milliarden Dollar an Lockheed Martin verkauft wurde. United Technologies dürfte so 3 Milliarden Dollar an jährlichen Rüstungsumsätzen einbüßen.

Platz 7: Airbus Group (Europa)
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Fast wäre aus Airbus, der ehemaligen EADS, und der britischen BAE der größte Rüstungskonzern der Welt geschaffen worden. Doch die Fusion platzte. Das europäische Unternehmen, an dem Deutschland, Frankreich und Spanien künftig direkt beteiligt sind, kommt allein auf Platz sieben im Sipri-Ranking. Im Jahr 2015 standen Umsätze im Militärbereich von 12,9 Milliarden Dollar zu Buche – gut 700 Millionen mehr als im Vorjahr.

Platz 5: Northrop Grumman (USA)
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Das US-Unternehmen bedient mit seinen Produkten die Schiff-, Luft- und Raumfahrt. Der Militärbereich macht mit 20 Milliarden Dollar über 80 Prozent der Umsätze aus. Bekanntestes Produkt ist der Tarnkappenbomber B-2.

Platz 6: General Dynamics (USA)
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Flugzeuge, Fahrzeuge und Schiffe für den militärischen Bedarf stellt General Dynamics her. Rund 60 Prozent des Umsatzes werden mit Kriegsgütern gemacht. 2015 konnte GD deb Umsatz mit der Rüstungssparte weiter steigern – und zwar auf 19,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 4: Raytheon (USA)
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Ganz auf Militärprodukte ist das Unternehmen aus Waltham (US-Bundesstaat Massachusetts) spezialisiert. 94 Prozent seines Umsatzes macht Raytheon mit Kriegsgerät. Im Jahr 2015 waren es 21,8 Milliarden Euro. Raketen und Radar-Systeme gehören zu den bekanntesten Produkten. Raytheon stellt auch das Raketenabwehrsystem Patriot her.

Mit heftigen Worten kritisierte der Airbus-Chef die Strukturen und Arbeitsweise im Verteidigungsministerium: „Ich kenne keine Rüstungsbürokratie, die risiko- und verantwortungsscheuer agiert als die deutsche.“ Diese Haltung hat sich nach Ansicht von Enders „tief hineingefressen in die Verwaltung, die im Übrigen viel zu wenig kommuniziert mit dem militärischen Endkunden.“

Sein Unternehmen habe beim A400M gut vier Milliarden Euro draufzahlen müssen. An den 175 Flugzeugen für europäische Kunden werde Airbus keinen Cent verdienen. Die Bundeswehr werde ihre A400M aller Voraussicht nach Ende November bekommen.

Zugleich kündigte Enders Konsequenzen aus dem Fall an. „Wir werden uns nicht noch einmal in die Tasche lügen und von Regierungen zu Programmvereinbarungen drängen lassen, wenn die zugrunde liegenden Termine und Budgets von vorneherein unrealistisch sind“, sagte er. „So einen Vertrag wie bei A400M unterschreiben wir nie wieder, so viel steht fest.“

  • bay
  • dpa
  • rtr
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  • Wie solche Beschaffungsmaßnahmen ablaufen steht in der Wirtschaftswoche vom 30.9.2013:
    Hier ein Ausschnitt: „Als sich die verbliebenen Länder und Unternehmen mit den Neulingen Italien und Spanien dann zur Jahrtausendwende endlich geeinigt hatten, war der Flieger zu einem extrem anspruchsvollen Projekt geworden. Als „Eierlegende Wollmilchsau“ sollte der Alleskönner nicht nur auf besseren Waldwegen landen und extreme Manöver abkönnen wie sehr enge Kurven oder steile Landungen der Gattung „kontrollierter Absturz“. Besonders Deutschland und Frankreich wollten, dass die Wundermaschine sowohl besonders langsam und tief fliegen kann als auch besonders schnell und hoch. Und sie wollten den Panzertransporter nicht nur im Flug betanken können, sondern auch als fliegende Tankstelle für andere Maschinen wie Kampfjets nutzen.
    Wie oft das in der Praxis gebraucht wurde, war nicht entscheidend. Denn die Ansprüche hatten eine Nebenfunktion. Sie dienten den Luftwaffen und dem inzwischen zur EADS & Co. konsolidierten Hersteller-Konsortium auch dazu, unliebsame Konkurrenz abzuwehren. Denn angesichts der hohen Kosten, forderten nicht zuletzt deutsche Parlamentarier, statt des A400M lieber günstigere aber technisch überholte Transporter aus den USA oder Russland zu kaufen. Das ließ sich mit den anspruchsvollen Vorgaben jedoch trefflich verhindern. Denn die Technik hielten Hersteller zwar für schwierig genug, doch am Ende beherrschbar".

  • Enders hat es auf den Punkt gebracht ... Leyen ist unfähig! Weg mit diesen ganzen Versagern.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die Mehrzahl unserer Politiker können keine Verträge lesen. Diese Tatsache ist ein "alter Hut."
    Des weiteren muß man feststellen das "Airbus" schon immer politisch geführt wurde.
    Damit ist (fast) alles erklärt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Die Drohne "EUROHAWK" war ein Milliardenloch - mit Absicht !! Alle AKten geschreddert von De Maizaire damals.

    WARUM ?? Weil wir keine eigne Drohne haben dürfen sondern die aus Amerika kaufen sollen. Denn die kann man "remote-controlled übernehmen" und steuern "zur Not" via Satellit aus Amerika. Wir sollen und dürfen keine eigene Militärmacht darstellen. Nur Lemming sein.

    Nur "bezahlen" dürfen wir.

  • Leyen wäre bei und in RUS schon lange erledigt!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • 2 wesentliche Lehren:

    Die CDU/CSU, die den Verteidigungsminister seit Jahren stellt, trägt massive Mitschuld am derzeitigen Zustand der Bundeswehr und der ausufernden Bürokratie im Ministerium. Und damit ist auch Frau Merkel signifikant mitschuldig an den Problemen. Im übrigen: Frau vdL lann es auch nicht besser, sie versteht es nur besser, anderen die Schuld zuzuschieben.

    Das sollte auch eine Warnung vor weiterem Abbau bzw. Verkauf von rüstungsrelevanten Strukturen in Deutschland sein. Die mittlerweile nicht mehr zu übersehende operative französische Übermacht bei Airbus macht das Unternehmen definitiv nicht effizienter. Die Wiederholung des Fehlers mit der Panzerschmiede KMW, die an das franz. Unternehmen Nexter verkauft werden soll, wäre auch ein (weiteres) politisches Versagen der deutschen Politik.

  • Bla! Bla! Bla!

    Es gehört zur Personalpolitik von Airbus, dass Abteilungsleiter nicht das Fachgebiet verstehen für das sie verantwortlich sind, sondern die jeweilige Abteilung leiten.

    Anders formuliert, sie haben sich nicht in die Tasche gelogen, Im Unternehmen mag das Wisse um die Zeitpläne und den Aufwand ja da gewesen sein. Aber das Management konnte und kann das gar nicht überblicken!

    Und zum ehrlichen Umgang gehört dann bitte erst einmal auch, dass ALLE Vorhaben ausgeschrieben werden. Bisher ist es doch so, dass Airbus bei so viel Themen gesetzt ist, andere Firmen sich aber immer gegen Airbus durchsetzen müssen.

    Wenn Airbus dann durch Verzögerungen dafür sorgt, dass Mittel im Haushaltsjahr nicht abfließen können, dann gibt es doch die Ankaufleistung und die F&T-Gelder... dreimal darf man raten für wen??? Richtig, genau die! Insofern war es schon mal richtig gut Mittel einfach nicht auszugeben, als sie für Nichtleistung mit der Giesskanne der jeweiligen Firma trotzdem zu geben!

    Und noch was Herr Enders: Wenn Sie nie wieder so einen Vertrag unterschreiben wollen, dann sagen Sie uns doch bitte gleich, von welchen laufenden Vorhaben Sie jetzt zurücktreten wollen. Da gibt es bestimmt die eine oder andere Firma, die das will und mindestens genau so gut kann!!!

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