Verflüssigtes Erdgas
Eon Ruhrgas will Nachschub aus Algerien beziehen

Eon Ruhrgas will seine Abhängigkeit von russischem Erdgas verringern und hat deswegen eine Absichtserklärung zum Bezug algerischen Gases unterzeichnet. Allerdings sind dazu noch etliche Hürden zu nehmen - und Milliarden zu investieren, dass das Gas soll vor dem Export verflüssigt werden.

HB ALGIER. Eon unterzeichnete die Absichtserklärung am Donnerstag mit dem algerischen Gaskonzern Sonatrach anlässlich des Besuchs von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Der Vizepräsident von Eon Ruhrgas, Dietrich Gerstein, erklärte, sein Konzern prüfe die Errichtung eines Gasterminals für Tankschiffe in Wilhelmshaven bis 2010/2011 sowie eines weiteren in Kroatien. Gerstein sprach von einem ersten Schritt eines Lieferprojektes, dessen Details in den nächsten Wochen ausgehandelt werden sollten. Über Volumina konnte er noch nichts sagen.

Bisher erhält Deutschland den Angaben zufolge Pipelinegas aus sechs Quellen: Russland, Norwegen, Niederlande, Dänemark, Großbritannien und aus eigener Förderung. Die letzteren vier Quellen müssten wegen Erschöpfung durch neue ersetzt werden. Derzeit beziehe Europa 18 bis 20 Prozent seines Gases aus Algerien, was vor allem Spanien und Italien betreffe. Deutschland sei noch nicht dabei. Algerien gilt als Pionier der Gasverflüssigung und zeigt sich interessiert an deutscher Technologie.

Aus den Regierungsgesprächen Steinmeiers in Algier wurde bekannt, dass das Land bis 2009 rund 80 Milliarden Dollar an Investitionen in die eigene Infrastruktur plant, darunter eine halbe Milliarde für die Teilelektrifizierung der Bahn. Deutsche Firmen seien als Investoren willkommen. Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika richtete nach Angaben aus Delegationskreisen die strategische Bitte an Deutschland und deutsche Investoren, Algerien bei der Diversifizierung seiner Exporteinnahmen zu helfen. Sein Land sei bisher zu 98 Prozent von Gas- und Erdölexporten abhängig. Steinmeier hob die Zuverlässigkeit Algeriens als Energielieferant hervor. Algerien verzeichnet dank des hohen Ölpreises ein Wirtschaftswachstum von 5,2 Prozent, die Prognose für 2006 lautet auf 6,2 Prozent.

Trotz der hohen Staatseinnahmen gilt Algerien weiterhin als armes Land. Während der Handel mit Öl und Gas dem Land im laufenden Jahr rund 50 Milliarden Dollar einbringen soll, muss laut Statistik ein Drittel der 32 Millionen Einwohner mit weniger etwa zwei Dollar pro Tag auskommen. Ein Drittel der Bevölkerung unter 24 Jahre ist den Angaben zufolge arbeitslos. Die Sicherheitslage nach dem verheerenden Bürgerkrieg in den 90er Jahren gilt in Teilen des Landes als prekär. Allerdings versetzt der Ölreichtum das Land in die Lage, überfällige Strukturreformen zu finanzieren.

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