Vergleich europäischer Unternehmen
Deutsche Industrie besonders innovativ

Deutsche Unternehmen sind die innovativsten in Europa. Das hat eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung ergeben. Doch zur Euphorie gibt es keinen Grund: Mittelfristig ist der Spitzenplatz gefährdet, denn das Innovationstempo lässt nach.

BERLIN / DÜSSELDORF. Die Innovationen der deutschen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen können sich im europäischen Vergleich sehen lassen. Nach der Innovationserhebung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) verschaffte 2004 die Innovationsstärke der Wirtschaft Deutschland den Spitzenplatz. Der ist aber bedroht, denn nach der Umfrage bei 20 000 Unternehmen lässt das Innovationstempo nach.

So sei der derzeitige Umsatzanteil, der mit originären Produktneuheiten erzielt wird, im Vergleich zu den Jahren bis 2003 deutlich gesunken, Prozessinnovationen gewännen an Bedeutung. Ein Spitzenplatz lasse sich aber nur durch permanent hohe Anstrengungen für neue Produkte und Verfahren halten, mahnt das Mannheimer Institut.

Nach der Erhebung, die das ZEW im Auftrag des Bundesforschungsministeriums zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung und Infas, dem Institut für angewandte Sozialwissenschaft, seit 1993 durchführt, gaben die deutschen Unternehmen 2005 mit 106,8 Mrd. Euro fünf Prozent mehr für Innovationen aus als 2004. Insbesondere der Maschinenbau, die Elektroindustrie, die EDV-Branche, die Telekommunikation sowie das Kredit- und Versicherungsgewerbe steigerten ihre Ausgaben.

Im vergangenen Jahr stiegen die Innovationsaufwendungen nach ZEW-Schätzungen jedoch nur um ein Prozent auf 108,1 Mrd. Euro. 2007 hält das Institut auf Basis der Unternehmensangaben einen weiteren Innovationsschub sogar für eher unwahrscheinlich. „Allerdings ist nicht auszuschließen, dass die Unternehmen wegen der guten Konjunktur ihre Innovationspläne noch revidieren und ihre Budgets aufstocken“, sagte der Leiter der ZEW–Projektgruppe Christian Rammer.

Etwa 35 Prozent der Innovationsaufwendungen der Wirtschaft entfallen auf Investitionen in Sachanlagen oder immaterielle Wirtschaftsgüter. 55 Prozent betreffen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F+E).

Der Stifterverband warnt indes vor Euphorie: „Die deutschen Unternehmen investieren in die Produkte von heute und morgen, sparen aber an den Produkten von übermorgen“, sagte Generalsekretär Andreas Schlüter. Die F+E-Ausgaben sind 2005 nach den Erhebungen des Stifterverbandes um 1,5 Prozent gestiegen, die Innovationsausgaben laut ZEW aber um fünf Prozent. „Das relative Gewicht der F+E-Ausgaben hat also abgenommen, die Unternehmen haben Ausgaben aus den Forschungsabteilungen in den Marketingbereich verlagert“, so Schlüter.

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