Verhärtete Fronten
VW schottet sich gegen Porsche ab

Die Fronten im Machtkampf zwischen VW und Porsche verhärten sich weiter. Mit einem von VW-Konzernjuristen erstellten Verhaltenskodex für Manager gehen die Wolfsburger demonstrativ auf Abstand zu ihrem künftigen Mehrheitseigentümer. Der zeigt sich davon aber unbeeindruckt.

FRANKFURT. Im Machtkampf um VW verhärten sich die Fronten. Nach Informationen aus Konzernkreisen hat der VW-Vorstand ein Rechtsgutachten zum Umgang mit dem Großaktionär Porsche erarbeiten lassen. Das von Konzernjuristen erstellte Papier weise darauf hin, dass es auch nach einer Mehrheitsübernahme durch Porsche „keinerlei allgemeine Pflicht“ zur Weitergabe vertraulicher Informationen gebe, bestätigte eine mit der Situation vertraute Person einen entsprechenden Bericht des Magazins „Capital“.

Ein Sprecher von Volkswagen bestätigte die rechtliche Prüfung. Er bestritt jedoch, dass es um einen verbindlichen Kodex für Manager handele. Ein Porsche-Sprecher betonte, der Kodex sei der Firma bekannt. Dessen Inhalt sei eine „schiere Selbstverständlichkeit“. Alle Kooperationen würden nur im gegenseitigen Einvernehmen geschlossen,

Der Vorstoß wirft ein Schlaglicht auf das angespannte Verhältnis zwischen dem Management in Wolfsburg und Stuttgart. Juristisch ist die Prüfung in Wolfsburg zwar einwandfrei. Nach dem Gesetz müssen alle Aktionäre gleich behandelt werden, und man darf einem Anteilseigner, auch wenn es der größte ist, nicht mehr Informationen geben als jedem anderen. Aber faktisch ist es dennoch ein ungewöhnlicher Vorgang, dass ein Unternehmen seinem künftigen Mehrheitseigentümer demonstrativ auf Abstand hält.

VW-Patriarch Ferdinand Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn zeigen Porsche, das bis Ende November die Mehrheit an Europas größtem Autokonzern übernehmen will, offensichtlich immer deutlicher seine Grenzen auf. VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Piëch hatte erst am vergangenen Freitag für einen Eklat gesorgt, als er gegen die Stimmen der eigenen Familie einen Antrag der Arbeitnehmer passieren ließ und damit die Macht von Porsche beschnitt.

Künftig muss Porsche sich alle wichtigen Geschäfte mit Audi vorab vom VW-Aufsichtsrat genehmigen lassen, wie es die Arbeitnehmer gefordert hatten. Porsche hatte davon allerdings unbeeindruckt erst am Dienstag einen Anteil an Volkswagen auf 35,14 Prozent erhöht und damit die faktische Mehrheit über Europas größten Autobauer erlangt. VW wird damit zu einer Tochtergesellschaft des sehr viel kleineren Sportwagenherstellers aus Stuttgart.

Doch offensichtlich herrscht wenigen Wochen vor der geplanten Mehrheitsübernahme tiefes Misstrauen zwischen den Wolfsburgern und ihrem Hauptaktionär. So sind VW-Manager über das Auftreten der Porsche-Führungskräfte im VW-Konzern verärgert und verfolgen missmutig, wie die Stuttgarter sich aus den Regalen vor allem der Ingolstädter Nobelmarke Audi bedienen wollen.

Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche ist dagegen über das Vorgehen seines Cousins Ferdinand Piëch entsetzt und sucht nun nach Wegen, ihn zu entmachten. Schon in nächster Zeit soll der Familienrat der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Ein Machtkampf, der den Autokonzern lähmen könnte. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der als Vertreter des zweitgrößten VW-Aktionärs zum Zünglein an der Waage wird, sprach sich gegen eine Entmachtung von Piëch aus.

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