Verhaltene Aussichten für 2003
Hannover Messe im Zeichen weltweiter Risiken

Die weltweiten Konjunkturrisiken durch den Irak-Krieg und die Lungenkrankheit SARS beherrschen die diesjährige Hannover Messe. Die stark vom Export abhängige deutsche Industrie drängte zum Auftakt der Industrieausstellung erneut auf schnelle Reformen in Deutschland und signalisierte der Bundesregierung Unterstützung.

Reuters HANNOVER. Vertreter mehrerer Industriebranchen wollten sich nur sehr vorsichtig zu den Aussichten für das laufende Jahr äußern und begründeten dies mit den weltweiten Unsicherheiten. Die mit 6200 Ausstellern aus gut 60 Ländern weltweit größte Industriemesse zog am ersten Tag erwartungsgemäß weniger Besucher an als im Vorjahr.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, erklärte beim Eröffnungsrundgang in Begleitung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) das Jahr 2003 konjunkturell bereits für abgehakt. Bis zum kommenden Winter sei ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Deutschland auf über fünf Mill. vorstellbar. Eine wirkliche Wende durch umfassende Reformen werde in Deutschland mehrere Jahre dauern, sagte der BDI-Präsident.

Schröder zeigte sich indes nach seinem Eröffnungsrundgang zuversichtlicher. Die Unternehmen, die er besucht habe, hätten von deutlichen Auftragszuwächsen berichtet. „Ich habe bei allen einen großen Optimismus feststellen können“, sagte der Kanzler und bekräftigte seine Reformpläne für den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme. „Mein Eindruck ist, dass es eine Chance gibt einer guten Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und den Landesregierungen auf der einen Seite und den Verbänden von Wirtschaft und Industrie auf der anderen Seite.“

Der mit dem Kanzler noch vor einem halben Jahr zerstrittene BDI-Präsident erneuerte seine Unterstützung für die anstehenden Sozialreformen. Die Wirtschaft sei bereit, den Abbau von Subventionen mit zu tragen. Zurückhaltender reagierte der BDI wie auch andere Verbände auf die Forderung des Kanzlers nach zusätzlichen Ausbildungsplätzen. Ein großes Problem ist nach Angaben des Verbandes Deutscher Ingenieure (VDI) der Fachkräftemangel, der jährlich die deutsche Wirtschaft 1,2 Mrd. € an nicht realisiertem Wachstum koste.

Größtes Risiko für die deutsche Industrie sind jedoch die noch nicht abschätzbaren ökonomischen Folgen des Irak-Krieges. Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau sieht sich deshalb vor einem schwierigen Geschäftsjahr. Nach Einschätzung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) dürften die Maschinenbauer in diesem Jahr bis zu 30 000 Arbeitsplätze abbauen. Weitere Gefahren für deutsche Firmen drohen aus den USA, wo nach BDI-Angaben einzelne öffentliche Aufträge an deutsche Firmen storniert wurden. Ob dies aus politischen Gründen wegen des Streits zwischen Deutschland und den USA um den Irak-Krieg geschehen sei, sei unklar, hieß es.

Sorgen bereitet auch die Lungenkrankheit SARS. Es gebe noch keine rückläufigen Auftragszahlen aus Asien. „Doch SARS dämpft natürlich die Wachstumserwartungen in dieser Region und das kann sich auch auf den Maschinenbau auswirken“, sagte VDMA-Präsident Diether Klingelnberg.

Auf der Hannover Messe selbst spielte die Angst vor der Lungenkrankheit nach Angaben der Messeleitung kaum eine Rolle. Von den Ausstellern habe niemand abgesagt, sagte ein Sprecher. Die Messeleitung hatte Einschränkungen für Besucher aus Asien, wo die Krankheit ausgebrochen war, ausdrücklich abgelehnt. Dennoch rechne die Messeleitung mit weniger Besuchern als den 250 000 aus dem Vorjahr. Der Andrang am ersten Tag sei schwächer als im Vorjahr gewesen. Dennoch sei man angesichts des schwierigen Umfeldes zufrieden.

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