Verhaltener Optimismus
VDA-Chef Gottschalk fordert Ende der Rabattschlacht

Auch nach einer Reihe von Sparpaketen deutscher Autobauer ist ein Ende der Kürzungen in der Branche nicht absehbar. Nach vier Jahren mit rückläufigen Pkw-Absätzen und stagnierenden Neuzulassungen in 2004 hofft die Branche darauf, dass die Nachfrage 2005 endlich anspringt.

HB FRANKFURT. Nach dem jüngsten Anstieg der Pkw-Neuzulassungen im November und guten Absätzen in den ersten Dezembertagen steigt beim Herstellerverband VDA zwar die Hoffnung auf eine bessere Autokonjunktur im nächsten Jahr. Allerdings sind die Prognosen wegen des anhaltend schwachen Konsums vorsichtig.

„Es wird noch vieles auf den Prüfstand kommen“, sagte der Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, am Freitag in Frankfurt. „Wenn wir Arbeitsplätze in Deutschland halten wollen, dann ist die Überprüfung übertariflicher Leistungen letztlich sozialer als die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland.“ Nach den Herstellern liege das Schwergewicht der Sparbemühungen nun bei den Zulieferern. Hauptthema bei den Verhandlungen mit den Gewerkschaften werde eine Verlängerung der Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich sein, kündigte Gottschalk an.

Gottschalk lobt Einigung bei Opel

Der VDA-Chef begrüßte die bei Opel erreichte Einigung über den Verzicht von betriebsbedingten Kündigungen beim Abbau von bis zu 10 000 Arbeitsplätzen. Er hoffe, dass Opel mit den einhergehenden Einsparungen seine Wettbewerbsfähigkeit steigern könne. Der US-Autokonzern General Motorshatte nach wochenlangen Verhandlungen mit der Gewerkschaft sein Sparvorhaben durchgesetzt. Ein Großteil des auf Opel entfallenden Stellenabbaus soll durch Auffanggesellschaften bewältigt werden. Doch die Verhandlungen über Einsparungen sind nach dem ersten Kompromiss nicht vorbei. Als nächster Schritt soll nach Betriebsratsangaben über die Konditionen für die Beschäftigten bei Auslagerungen und Gemeinschaftsunternehmen verhandelt werden. Danach wird es darum gehen, wo die Mittelklasse von GM künftig gebaut wird - ob am Stammsitz von Opel in Rüsselsheim oder im schwedischen Trollhättan. Vor Opel hatten sich bereits die Unternehmensleitungen bei DaimlerChrysler und Volkswagen mit den Gewerkschaften auf umfangreiche Sparpakete geeinigt, die mit tariflichen Zugeständnissen der Belegschaften verbunden sind.

Nach vier Jahren mit rückläufigen Pkw-Absätzen und stagnierenden Neuzulassungen in 2004 hofft die Branche darauf, dass die Nachfrage 2005 endlich anspringt. Allerdings bleiben die Probleme vorerst bestehen. „Aus heutiger Sicht müssen wir zwar erwarten, dass das Geschäft zäh bleibt, aber ein Absatzniveau leicht über dem des laufendenden Jahres ist durchaus möglich“, sagte Gottschalk. Eine Wende hin zu einer nachhaltigen Aufwärtsentwicklung sei nicht in Sicht. Dazu sei der Konsum zu schwach und werde es wohl auf absehbare Zeit auch bleiben. Auch 2005 wollen die Hersteller zahlreiche neue Modelle auf den Markt bringen, darunter im Frühjahr unter anderem den neuen 3er von BMW.

Ende der Rabattschlacht gefordert

Gottschalk forderte die Hersteller auf, die margenschädliche Rabattschlacht einzustellen. „Der US-Markt ist schließlich Warnung genug, dass Strategien der exzessiven Rabattierung und Preiskriege der teuerste und letztlich wirkungslose Weg für Markteroberungen sind.“ Die beiden führenden US-Herstellern General Motorsund Fordhatten mit hohen Preisabschlägen auf dem Heimatmarkt jahrelang versucht, die Konkurrenz insbesondere aus Fernost in Schach zu halten, scheiterten damit aber letztlich. Während die asiatischen Hersteller zuletzt Marktanteile hinzugewannen, büßten die drei großen US-Autokonzerne GM, Ford und Chrysler DaimlerChrysler Anteile ein. Beide Autobauer mussten unlängst ihre Produktionspläne überdenken, um weiteren Lageraufbau zu verhindern.

An der Börse reagierten die Autoaktien nicht nachhaltig auf die steigende Zuversicht der Branche. Das Papier von Volkswagen verlor im Deutschen Aktienindex (Dax) mehr als ein Prozent, weil die Wolfsburger eine Rückrufaktion für Dieselmotoren starteten. Davon sind nach Konzernangaben weltweit 290.000 Fahrzeuge betroffen. Gegen den freundlichen Markttrend verlor auch BMW, dagegen legte der deutsch-amerikanische Autokonzern DaimlerChrysler ein halbes Prozent auf 34,40 Euro zu. Die Vorzugsaktie des Sportwagenbauers Porschenotierte bei 487 Euro rund 0,6 Prozent im Minus.

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