Verhaltenskodex für Unternehmen
Transparency rügt korrupte Konzerne

Unternehmen aus China, Indien und Russland bestechen am häufigsten, um an Auslandsaufträge zu kommen, belgische und kanadische Firmen am seltensten. Deutschland liegt im Mittelfeld und kommt zusammen mit Großbritannien und Japan auf Rang fünf.

BERLIN. Geld gegen Aufträge gibt es vor allem in der Baubranche, dem Immobilienwesen und der Ölindustrie. Kaum betroffen sind die Informationstechnologie- und die Fischereibranche sowie der Banken- und Finanzsektor.

Die ist das Ergebnis des aktuellen „Schmiergeld-Zahler-Indexes“ (BPI) der Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI). Er basiert auf einer Befragung von mehr als 2000 Führungskräften aus den 26 wichtigsten Exportnationen. Sie sollten angeben, für wie bestechlich sie ausländische Firmen halten, die bei ihnen Geschäfte machen. Die ausgewählten Staaten vereinen drei Viertel der Exporte auf sich.

Auch deutsche Unternehmen neigen nach wie vor dazu, Aufträge im Ausland über Bestechung zu bekommen. „Deutschland ist im Vergleich zur letzten Untersuchung keinen Schritt vorangekommen“, sagte Sylvia Schenk, Vorsitzende von TI-Deutschland. Zwar haben nach ihren Aussagen vor allem die Großunternehmen aus dem Fall Siemens gelernt und versuchen, das Schmieren im Ausland zu unterbinden. Doch beim exportierenden Mittelstand sei Korruption noch verbreitet. Der Grund: Das Risiko, entdeckt zu werden, sei im Ausland noch viel geringer als im Inland – trotz der Skandale um Siemens oder EADS. Schenk kritisierte, dass die Bundesregierung die Uno-Konvention gegen Korruption - im Gegensatz zu inzwischen 129 Ländern weltweit, darunter Afghanistan, China, Großbritannien, Frankreich und die USA – immer noch nicht ratifiziert habe.

In Deutschland ist Bestechung im Ausland gesetzlich verboten, wer erwischt wird, dem drohen bis zu fünf Jahren Haft, bei Bestechung von Beamten und bis zu drei Jahren beim Schmieren in der Privatwirtschaft. Doch in den vergangenen Jahren hat es gerade einmal sieben Verurteilungen gegen deutsche Manager wegen Auslandsbestechung gegeben. Die jüngsten Urteile fällte das Landgericht München im November gegen zwei Siemens-Mitarbeiter, die zugegeben hatten, bei der Verteilung von rund 1,3 Milliarden Euro über ein weltweites System schwarzer Kassen mitgeholfen zu haben. Ein weiterer Siemens-Manager wurde bereits im Juli verurteilt.

Dass sich Ehrlichkeit lohnt, betonte Hartmut Paulsen, Generalbevollmächtigter des Baukonzerns Hochtief am Rande der Euroforum-Jahrestagung Compliance: „Durch unsere Politik, Korruption nicht zu tolerieren, sind wir in Nachhaltigkeitsfonds und Nachhaltigkeitsindices aufgenommen worden und haben damit unsere Kapitalbasis verbreitert“.

Nach einer ebenfalls gestern vorgestellten Studie des DIHK und der Internationalen Handelskammer Deutschland kennen 90 Prozent der Manager die strafrechtlichen Folgen von Korruption. Nach der Studie blieb 2007 die Zahl der Ermittlungsverfahren mit 1 600 im Vergleich zum Vorjahr fast konstant. Die Organisationen stellten einen überarbeiteten Verhaltenskodex für Unternehmen vor. Danach werden auch Freikarten für Sport- und Kulturveranstaltungen als „sensibles Thema“ im Zusammenhang mit Korruption bewertet. Der neue Kodex schließt Empfehlungen für ein vertrauliches Hinweisgebersystem ein. Ziel sei es, die Selbstregulierung der Wirtschaft zu stärken. Unternehmen verstärkten ihre Compliance-Abteilungen, um Korruption und andere Formen von Wirtschaftskriminalität zu verhindern. Korruptionsprävention habe sich über die Jahre „zu einem integralen Bestandteil des Risikomanagements“ entwickelt, hieß es.

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