Verhandlungen am Freitag
Kartellwächter nehmen GM-Allianz ins Visier

Die Gespräche von General Motors (GM) mit den Konkurrenten Renault und Nissan über eine mögliche Allianz rufen das Bundeskartellamt auf den Plan. „Im Fall einer Allianz werden wir uns diese Verbindung sicher genau ansehen“, sagte eine Sprecherin der Bonner Behörde dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. GM, Renault und Nissan wollen Ende der Woche ihre Verhandlungen über eine globale Allianz aufnehmen. Der französisch-japanische Konzernverbund erwägt im Zuge dessen, eine 20-Prozent-Beteiligung an GM zu erwerben. Die Kartellwächter in Deutschland können sich bereits bei Anteilskäufen unter 25 Prozent einschalten, wenn der Verdacht besteht, dass der Verbund einen „wettbewerbsrechtlich erheblichen Einfluss“ ausüben könnte. Eine Voranfrage der Hersteller bei den Kartellwächtern habe es bisher nicht gegeben, hieß es aus der Behörde.

GM-Boss Rick Wagoner und Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn müssen damit bei ihren am Freitag beginnenden Verhandlungen über ein Dreierbündnis, das die globale Autoindustrie neu ordnen könnte, auch kartellrechtliche Fragen einbeziehen. Der Verbund der drei Autoproduzenten käme auf einen Autoabsatz von knapp 15 Millionen Autos und einen Marktanteil von weltweit rund 25 Prozent. Auch in Westeuropa mit einem Marktanteil von mehr als 23 Prozent und in Deutschland mit etwa 18 Prozent wäre das Bündnis auf Anhieb neuer Platzhirsch. Der oberste Arbeitnehmervertreter von GM in Europa, Klaus Franz, hatte bereits vor massiven Überschneidungen von Renault und der wichtigsten GM-Tochter Opel in Europa gewarnt. Renault und Opel seien in Westeuropa "knallharte Rivalen" und würden in den gleichen Segmenten um die gleichen Kunden wetteifern, hatte er am Wochenende in einem Handelsblatt-Interview gewarnt.

Nach massivem Drängen von GM-Großaktionär Kirk Kerkorian hatte das Management des US-Autobauers Ende vergangener Woche den Weg für Allianzgespräche mit Renault und Nissan frei gemacht. Sollte es zu einer Einigung kommen, könnte dies für alle drei Firmen sinkende Kosten bei der Produkt-Entwicklung und im Einkauf bedeuten. Ghosn und Wagoner wollen sich erstmals am kommenden Freitag in Detroit treffen. Insider gehen davon aus, dass es Wochen oder Monate dauern wird, bis klar ist, ob und auf welchen Feldern eine Allianz sinnvoll wäre. Das mögliche Bündnis befindet sich weiterhin in einem sehr frühen Stadium, Details wurden bisher nicht ausgearbeitet.

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