Verhandlungen ergebnislos vertagt
VW will im Tarifstreit mit Ausgliederung drohen

Der Vorstand des Automobilkonzerns Volkswagen will der IG Metall in den festgefahrenen Tarifverhandlungen einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge mit einer massiven Ausgliederung von Arbeitsplätzen drohen.

HB WOLFSBURG. Das Blatt berichtet dies in seiner Mittwochausgabe laut Vorabmeldung unter Berufung auf Konzernkreise. Der Konzern verfolge damit das Ziel weiterer erheblicher Kostensenkungen. Nach internen Planungen könnten 1000 bis 5000 Stellen in die VW-Tochter AutoVision GmbH verlagert werden.

Die derzeit 1100 Mitarbeiter der internen Zeitarbeitsfirma von Volkswagen und der Stadt Wolfsburg würden im Schnitt 15 Prozent weniger als die Kollegen im Stammwerk verdienen, die nach dem VW-Haustarif bezahlt würden, hieß es in der Meldung weiter.

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in den westdeutschen VW-Werken sind am Dienstag ohne greifbare Ergebnisse auf den 12. Oktober vertagt worden. Die IG Metall sprach anschließend von verhärteten Fronten. Während Europas größter Autobauer angesichts seiner Ertragskrise auf eine massive Senkung der Arbeitskosten und weit reichende Tarifzugeständnisse der Belegschaft drängt, beharrte die IG Metall weiter auf eine Bestandsgarantie für alle Arbeitsplätze in den sechs VW-Werken. Am Verhandlungsort in Hannover demonstrierten rund 1500 VW-Beschäftigte für ihre Forderungen.

Weitere Protestaktinen der Gewerkschaft

IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine sagte nach den Gesprächen mit den Arbeitgebern, VW sei auch in der zweiten Verhandlungsrunde nicht zu der geforderten Bestandsgarantie für die Arbeitsplätze bereit gewesen. „Wenn VW dazu nicht bereit ist, sind wir auch nicht bereit, zu irgendwelchen anderen Dingen etwas zu sagen“, fügte Meine hinzu. Volkswagen forderte eine „Richtungsänderung“ von der IG Metall.

„Wenn sich die IG Metall nicht bewegt, wird für Volkswagen die Vergabe neuer Fahrzeugmodellreihen an deutsche Standorte zunehmend schwieriger, wenn nicht unmöglich“, sagte VW-Verhandlungsführer Josef-Fidelis Senn. In diesem Fall wären Arbeitsplätze gefährdet, fügte er hinzu. „Garantien von Arbeitsplätzen ohne Wirtschaftlichkeit kann es natürlich in dieser dynamischen Zeit überhaupt nicht geben.“ Garantieren bedeute, „sich Spielräume nehmen“, sagte Senn weiter. Nach seinen Worten schlug VW der Gewerkschaft in den Verhandlungen ein neues Vergütungssystem vor, mit dem sich der Konzern aus dem Haustarif verabschieden würde. Details nannte Senn nicht.

Der Haustarifvertrag sichert den 103 000 VW-Beschäftigten in den westdeutschen Werken bislang Einkommensvorteile von elf Prozent im Vergleich zu deutschen Konkurrenten und von 20 Prozent gegenüber der übrigen Metallindustrie. Die Gewerkschaft geht nach Worten von Meine inzwischen davon aus, dass im November weitere Gesprächstermine nötig sein werden, um eine Lösung zu finden. Ende Oktober läuft die Frist ab, bis zu der die Gewerkschaft ihre Mitglieder nicht zu Streikaktionen aufrufen darf. Bis dahin ist nach dem 12. Oktober mindestens ein weiterer Verhandlungstermin vorgesehen.

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