Verhandlungen gescheitert
P+S Werften gehen in die Insolvenz

Das Wunder ist ausgeblieben: Die P+S Werften haben den Insolvenzantrag eingereicht. Die wochenlangen Verhandlungen über den Erhalt der Werftengruppe blieben erfolglos. 2000 Arbeitsplätze sind in Gefahr.
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StralsundDie P+S-Werften haben beim Amtsgericht Stralsund einen Insolvenzantrag gestellt. Der Antrag wurde am Mittwochmorgen von Werftchef Rüdiger Fuchs eingereicht, sagte dessen Sprecher der Deutschen Presse-Agentur dpa. Damit sind wochenlange Verhandlungen mit Kunden und Lieferanten über finanzielle Zugeständnisse und einen Erhalt des Werftenverbundes in Stralsund und Wolgast gescheitert.

Gleichzeitig sei die Eigenverwaltung im Insolvenzverfahren beantragt worden, sagte der zweite P+S Geschäftsführer, Axel Schulz. Bei der Eigenverwaltung im Insolvenzverfahren kann das betroffene Unternehmen unter Aufsicht eines Sachwalters in einem gewissen Rahmen weiter über das Vermögen verfügen.

Die Werftengruppe ist wegen Altlasten, unrentablen Verträgen und Lieferverzögerungen angeschlagen. Der Finanzbedarf wird auf mehr als 400 Millionen Euro taxiert. Um diesen zu decken, war die Werft auf Zugeständnisse ihrer Kunden und Lieferanten angewiesen. Mit den meisten konnte Fuchs im Grundsatz eine Einigung erzielen, hieß es am Dienstag. Die Reederei Scandlines stelle sich aber quer. Sie hatte bei P+S zwei Fähren in Auftrag gegeben, die nach erheblichen Verzögerungen nun fast fertiggestellt sind.

Scandlines fürchtet nun allerdings, dass die Fähren für ihr Einsatzgebiet zu schwer geraten sind. Dies weist die Werft allerdings zurück. „Man habe Scandlines zugesichert, dass es hier kein Problem gibt“, hieß es im Umfeld von P+S. Die Zusicherung gab es indes nur mündlich. Eine schriftliche Erklärung sei aber Voraussetzung für effektive Gespräche, sagte Scandlines-Chef Søren Poulsgaard-Jensen.

Sein Beharren auf der schriftlichen Zusicherung werten Teile der Politik in Mecklenburg-Vorpommern und P+S als Vorwand, um eine Rettung des Schiffbauers zu verhindern. „Nach einer Pleite könnte Scandlines auf einen weiteren Abschlag beim Kaufpreis pochen oder den Vertrag ganz auflösen“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Bundesregierung haben in den vergangenen Jahren die Werft immer wieder finanziell unterstützt, wie sich nicht nur an den Bürgschaften für die Reederei zeigt. Seit der Wiedervereinigung floss ein Milliardenbetrag in die Standorte Stralsund und Wolgast. Die Werften gehören zu den modernsten in Europa.

Mit knapp 2000 Beschäftigten zählt der Schiffbauer zu den größten Arbeitgebern in dem Bundesland. Um diese zu erhalten, hatten Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im Sommer ein neues Rettungspaket geschnürt. Zuvor hatte sich - wieder einmal - ein neues Finanzloch aufgetan. Doch die zugesagten 152 Millionen Euro sollten nicht ausreichen. Kreisen zufolge wäre mindestens ein weiterer zweistelliger Millionenbetrag nötig.

Eine Aufstockung der Mittel war aber nicht möglich, da dies die Europäische Kommission untersagt hat, wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums Mecklenburg-Vorpommern sagte.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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