Verhandlungen laufen zäh
BMW und Fiat finden keine gemeinsame Sprache

Die Verhandlungen über eine Kooperation zwischen den Autoherstellern BMW und Fiat sind ins Stocken geraten. Entgegen den bisherigen Plänen werden die beiden Autobauer nicht mehr in diesem Jahr eine Entscheidung über eine mögliche Zusammenarbeit treffen. Die Münchener stecken in einem Dilemma.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Die Verhandlungen seien sehr komplex und zögen sich bis ins nächste Jahr hin, sagte ein BMW-Sprecher. Fiat wollte die Angaben nicht kommentieren. Die Gespräche über eine Kooperation bei den Marken Mini und Alfa Romeo würden aber fortgesetzt.

Fiat und BMW hatten im Juli dieses Jahres eine Absichtserklärung für eine weitgehende Partnerschaft bei der Entwicklung der Konzernmarken Alfa und Mini unterzeichnet und Ergebnisse der Kooperationsgespräche bis Ende des Jahres in Aussicht gestellt. Doch die Kulturunterschiede zwischen der bayerischen Nobelmarke und dem italienischen Massenhersteller sind offenbar zu groß. Eine Kooperation sei wichtig, es gelte aber auch den Wert der eigenen Marken zu schützen, heißt es bei BMW hinter vorgehaltener Hand.

Die Münchener stecken in einem Dilemma: Einerseits überrascht sie selbst der Erfolg ihrer 2000 aus den Trümmern des Rovers-Reiches geretteten Kleinwagenmarke Mini. Der Absatz liegt mit 237 000 Stück pro Jahr deutlich über den Erwartungen. Doch wie auch bei der BMW 1er-Reihe sind die Stückzahlen viel zu gering im Vergleich zu Konkurrenten wie Audi, die ihre neue Kleinwagenplattform A1 kostensparend aus dem VW-Konzern ableiten. "Eine Allianz mit Fiat würde dem Mini erhebliche Kostenvorteile bringen", sagt Autoanalyst Georg Stürzer von der Unicredit.

Während BMW bei den Verhandlungen peinlich genau auf den Schutz von Technik und Markenimage achtet, spielen bei Fiat bereits ganz andere Überlegungen eine Rolle. Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte jüngst öffentlich in Frage gestellt, dass sich der italienische Autobauer aus eigener Kraft retten könne und die Notwendigkeit eines Partners betont, um das Überleben zu sichern. Nach Berichten italienischer Medien sollen die Regierungen in Frankreich und Italien bereits einen Zusammenschluss von Peugeot-Citroën und Fiat ausloten. Die einzige Möglichkeit für die Unternehmen, sich zu behaupten, sei, mehr als 5,5 Mio. Fahrzeuge pro Jahr zu bauen, glaubt Marchionne. BMW und Mini wären für Fiat damit deutlich zu klein.

Für BMW-Chef Norbert Reithofer sind das keine guten Nachrichten. Der bayerische Autobauer, der nach Ansicht von Analysten 2009 sogar in die roten Zahlen rasseln könnte, ist mitten in der schweren Branchenkrise dringender denn je auf kostensparende Kooperationen angewiesen. Reithofer sieht den Autobauer nach eigenen Worten in der größten Krise der Unternehmensgeschichte. Seit Wochen stehen in den BMW-Fabriken die Bänder still.

Zudem laufen auch die Gespräche mit dem Erzrivalen Daimler nur stockend. Nach über einem Jahr haben die beiden Konzerne eine Einkaufskooperation für nicht sichtbare Komponenten wie Scheibenheber oder Klimaanlagen verabredet. Teilnehmer berichten von zähen Verhandlungen, insbesondere bei den Ingenieuren seien die Vorbehalte immer noch groß. Eine zunächst angepeilte Partnerschaft in der Motorenentwicklung wurde längst begraben.

Der Druck wächst: Neben Daimler musste auch BMW dieses Jahr bereits zwei Mal die Gewinnprognose nach unten korrigieren. Die Bayern glauben inzwischen nicht einmal mehr daran, das bereits reduzierte Ziel einer Umsatzrendite von vier Prozent in diesem Jahr noch erreichen zu können. "Ein deutlich positives Konzernergebnis" lautet nunmehr lediglich die Prognose. Im November mussten sowohl Daimler als auch BMW einen drastischen Absatzeinbruch hinnehmen. Der Absatz der Marke BMW ging in Europa um dreißig Prozent zurück, Mini rauschte mit vierzig Prozent ins Minus.

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