Verhandlungen mit der Gewerkschaft unter Konkursdrohung
Rettung von Delphi kann General Motors Milliarden kosten

Robert S. Miller, der Vorstandschef des größten US-Autozulieferers Delphi Corp., will seinem Aufsichtsrat empfehlen, einen Insolvenzantrag zu stellen. Dies hat er vor, wenn nicht gelingt, die Verhandlungen mit der ehemaligen Mutter General Motors und der Gewerkschaft UAW über massive Kostensenkungen vor dem 17. Oktober erfolgreich zu beenden. An diesem Tag tritt ein schärferes US-Insolvenzrecht in Kraft.

je PORTLAND. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet, dass Delphi unter anderem von GM ein Sanierungspaket im Umfang von sechs Mrd. Dollar fordert. Dieses Ansinnen sowie zusätzliche Absatzprobleme durch steigende Benzinpreise drücken die Bonitätsbewertung von GM weiter in den Keller.

Die seit Wochen laufenden Dreiecks-Verhandlungen zwischen Delphi, GM und den United Auto Workers (UAW) werden dadurch erschwert, dass GM in eigener Sache ebenfalls hohe Zugeständnisse von der Gewerkschaft fordert. Nachdem GMs Anteil an seinem Heimatmarkt in den vergangenen Jahren stetig geschrumpft ist und sich seine früher hoch profitablen großen Benzinsäufer nur noch mit saftigen Preisnachlässen verkaufen, verursachen in besseren Zeiten tariflich verankerte Lohn- und Sozialkosten jetzt tiefrote Zahlen. Allein für die Krankenversorgung von Aktiven und pensionierten Arbeitern wird GM in diesem Jahr zwischen 5,6 und sechs Mrd. Dollar ausgeben.

Zusätzlich kann GM angesichts von Überkapazitäten zwar Werke stilllegen, muss den Arbeitern aber weiter rund 90 Prozent ihrer Löhne zahlen. Obwohl der Konzern im ersten Halbjahr 1,4 Mrd. Dollar verloren hat, weigert sich die UAW, den noch bis 2007 laufenden Tarifvertrag neu zu verhandeln.

Delphi wurde 1999 von GM abgetrennt und ist heute mit 28 Mrd. Dollar Jahresumsatz der größte Autozulieferer der Welt. Delphi trat damals mit einer von GM übernommenen Kostenstruktur gegen Wettbewerber an, deren Belegschaft meist nicht gewerkschaftlich organisiert ist und die deshalb billiger produzieren können. Die UAW stimmte der Verselbstständigung nur zu, nachdem GM Garantien zur Arbeitsplatzsicherheit, Bezahlung und Altersversorgung von Arbeitern gegeben hatte.

Diese Garantien will Delphi jetzt eingelöst sehen und fordert von GM Milliarden für die Abfindung von Hochlohn-Beschäftigten sowie für die Zahlung von Pensionen und Krankenversorgung. Auf der anderen Seite würde ein Teil dieser Ausgaben in Form billiger Zulieferungen an GM zurückfließen, das heute etwa die Hälfte der Delphi-Produktion abnimmt.

Sean McAlinden vom Center for Automotive Research schätzt, dass bei GM so Einsparungen von mindestens 1,4 Mrd. Dollar pro Jahr zustande kämen. Auf der anderen Seite könnte ein Konkursantrag von Delphi, das in der ersten Hälfte 2005 bereits 741 Mill. Dollar verloren hat, eine Kettenreaktion von Insolvenzen unter seinen Zulieferern auslösen. Das könnte bei GM zu Versorgungsengpässen in einer kritischen Zeit führen, in der neue Modelle vom Band laufen.

Unter Hinweis auf zusätzliche Absatzprobleme durch steigende Benzinpreise und hohe Kosten für die Sanierung von Delphi senkte jetzt die Kreditbewertungsagentur Fitch den Bonitätsgrad von GM-Anleihen auf BB und damit noch tiefer in die Ramsch-Region. Auch Standard & Poor’s hatte General Motors im Mai auf Ramsch-Status gesetzt und denkt laut S&P-Analyst Scott Sprinzen ebenfalls über eine weitere Abwertung nach, falls die Verhandlungen über Kostensenkungen mit der UAW erfolglos bleiben.

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