Verhandlungen mit Prinovis
Karstadt stellt Druckerei zum Verkauf

Der angeschlagene Essener Karstadt-Quelle-Konzern steht kurz davor, seine 25-prozentige Beteiligung an der Nürnberger Druckerei Maul-Belser zu verkaufen. Kaufinteressent ist der Hamburger Tiefdruckkonzern Prinovis, der bereits jetzt 75 Prozent an dem Unternehmen hält. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen von Karstadt-Quelle und Bertelsmann. Der Essener Handelskonzern rechnet dabei mit einem Verkaufserlös zwischen 90 bis 110 Mill. Euro.

HAMBURG. Maul-Belser erwirtschaftete zuletzt mit 1 450 Mitarbeiter rund 500 Mill. Euro – unter anderem durch den Druck des Quelle-Katalogs. Der Bieter Prinovis ist aus der Fusion der Tiefdruckereien der Bertelsmann-Tochter Arvato und der Axel Springer AG (Welt, Bild) entstanden. Größte Druckerei des Verbundes ist Maul-Belser.

Karstadt-Quelle habe bereits die Stimmrechtsanteile für die Beteiligung an Prinovis übertragen, heißt es aus Bertelsmann-Kreisen. Prinovis-Vorstandschef Stephan Krauss hatte noch vor kurzem davon gesprochen, dass sich die Verhandlungen mit Karstadt-Quelle möglicherweise über mehr als zwölf Monate hinziehen könnten.

Wie das Handelsblatt aus Kreisen von Bertelsmann erfuhr, soll Karstadt-Quelle die Beteiligung an Maul-Belser an sein Pensionsprogramm Contractual Trust Arrangement (CTA) abgetreten haben. Der betriebsinterne Treuhandfonds war noch von Ex-Vorstandschef Wolfgang Urban gegründet worden, um die Pensionsverpflichtungen auszugliedern. An ihn hat der Konzern zahlreiche Vermögenswerte übertragen, aus deren Erträgen die Pensionen ehemaliger Mitarbeiter finanziert werden. Der Verkaufserlös der Druckereibeteiligung würde daher nicht direkt Karstadt-Quelle zugute kommen, der Konzern müsste ihn statt dessen an den Pensionsfonds weiterreichen.

Fraglich ist zudem, ob der Beteiligungsverkauf den Konzern rechtzeitig aus seinem finanziellen Engpass befreien kann. Aus steuerlichen Gründen soll er nämlich erst ab dem 1. Januar 2006 wirksam werden.

Doch schon im dritten Quartal 2005 muss Konzernchef Thomas Middelhoff durch Firmen- und Beteiligungsverkäufe insgesamt 1,1 Mrd. Euro in die Kasse bekommen, wovon er bislang nicht einmal die Hälfte realisiert hat. „Sollten die Verkäufe nicht bis zum Ende des dritten Quartals abgeschlossen werden“, glaubt Handelsexperte Volker Bosse von der Hypo-Vereinsbank, „vermuten wir, dass die Kredit-Convenants der Banken verletzt werden dürften.“ Dies könnte sich dann „sehr negativ“ auf die Liquiditätssituation des Konzerns auswirken, fürchtet er.

Mit den angekündigten Verkäufen kommt Karstadt-Quelle weitaus schleppender voran als geplant. Am Donnerstag erst deutete Post-Chef Klaus Zumwinkel an, dass er an der gut 450 Mill. Euro schweren Übernahme der Paketlogistik von Quelle und Neckermann kaum noch Interesse habe.

Um für die Wareneinkäufe vor Weihnachten dennoch genügend Liquidität in die Kasse zu bekommen, stellte Middelhoff vor drei Wochen zusätzlich Karstadts Hypothekenbank zum Verkauf. Auch Forderungen gegenüber Ratenkreditkunden will er nun verkaufen.

Zum Stand der Verhandlungen um die Druckereibeteiligung wollten sich Sprecher von Prinovis und Karstadt-Quelle nicht äußern. Keinen Kommentar gab es in Essen auch zur Ausgliederung der Druckereibeteiligung an das CTA.

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