Verhandlungen
RWE steht vor Essent-Übernahme

Die EU-Kommission wird nach Informationen des Handelsblatts die geplante Übernahme des niederländischen Versorgers Essent durch RWE genehmigen. Heute läuft die Frist für die Prüfung des Zusammenschlusses ab. Die Verhandlungen seien "konstruktiv" verlaufen, hieß es aus mit den Gesprächen vertrauten Kreisen in Brüssel.

DÜSSELDORF. Weil Essent die größte deutsche Tochter, den Bremer Kommunalversorger SWB AG, bereits zum Verkauf gestellt habe, hätten die beiden Konzerne die Bedenken über eine noch stärkere Marktstellung von RWE auf dem deutschen Markt entscheidend entkräftet. Damit sei der Weg für eine Genehmigung des Zusammenschlusses frei. Vermutlich werde die Kommission aber noch einige weitere, leichtere Auflagen verhängen.

Für RWE-Chef Jürgen Großmann ist der Bescheid von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes die letzte große Hürde bei der rund neun Mrd. Euro schweren Übernahme des größten niederländischen Versorgers. Die kommunalen Anteilseigner von Essent haben bereits den Verkauf ihrer Anteile auf breiter Front verbindlich zugesichert.

Die EU-Kommission musste die Stellung des fusionierten Unternehmens auf dem niederländischen und auf dem deutschen Markt bewerten. Essent versorgt in den Niederlanden 2,2 Mio. Kunden mit Strom und 1,8 Mio. mit Gas und kommt damit auf einen Marktanteil von rund 30 Prozent. Mit Kraftwerkskapazitäten von 5 200 Megawatt ist das Unternehmen die Nummer eins. RWE versorgt dort selbst bereits 340 000 Haushalte und 50 000 Unternehmen mit Strom und Gas und baut für zwei Mrd. Euro ein Biomasse- und Kohlekraftwerk an der Nordseeküste.

In Deutschland, wo RWE hinter Eon die Nummer zwei ist, mussten die beiden Unternehmen mit den größten Bedenken rechnen. Deshalb hat Essent bereits den Verkauf seines Anteils an der Bremer SWB AG eingeleitet. Essent versorgt hierzulande aber auch noch Großkunden und betreibt Windparks.

Bereits einen positiven Bescheid aus Brüssel erhielt gestern der schwedische Vattenfall-Konzern für die Übernahme des zweitgrößten niederländischen Versorger, Nuon. Vattenfall-Chef Lars Josefsson hat Wettbewerbskommissarin Kroes zugesagt, den größten Teil der deutschen Aktivitäten von Nuon - die Vertriebsaktivitäten in Berlin und Hamburg - abzuspalten und zu veräußern.

Für Vattenfall schmälert das die Attraktivität der Übernahme deutlich. Nuon Deutschland hatte in den vergangenen Jahren einen schlagkräftigen überregional tätigen Billiganbieter für Strom und Gas aufgebaut - was dem schwedischen Unternehmen in Deutschland bislang nicht gelungen ist.

Innerhalb weniger Jahre hat Nuon den angestammten Versorgern über 300 000 Kunden abgejagt und ist einer der erfolgreichsten Newcomer. Dabei war Nuon vor allem in Berlin und Hamburg, dem Stammgebiet von Vattenfall in Deutschland, erfolgreich. Die Übernahme stieß deshalb auf scharfe Kritik von Verbraucherschützern. Nach dem Beschluss der EU-Kommission muss Vattenfall jetzt aber die lukrativsten Teile von Nuon in Deutschland abstoßen.

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