Verhandlungen starten
Karmann-Teile sind VW 38 Millionen Euro wert

Am Dienstag starten die Gespräche zwischen dem Autobauer Volkswagen und den Karmann-Erben über den Kauf von Gelände und Anlagen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen. Der Konzern bietet den drei Familienstämmen 38 Millionen Euro. Deutlich weniger, als die Familien eigentlich gefordert hatten.
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HAMBURG. Die Familien hatten ursprünglich 60 Mio. Euro gefordert und nehmen nun hohe Buchverluste hin. VW wollte maximal 30 Mio. Euro zahlen. Bislang existiert lediglich eine von den Erben unterzeichnete Absichtserklärung. Nun steht eine eingehende Prüfung der Bücher an. Der genaue Preis hängt vom Zuschnitt des Geländes und der Bewertung darauf stehender Gebäude ab. Den Kreisen zufolge übernimmt VW auch Teile der Metallverarbeitung und des Betriebsmittelbaus. Beide Seiten wollten die Gespräche zügig abschließen.

Damit nimmt die Volkswagen Osnabrück GmbH, wie das neue Unternehmen nach Vorschlag von VW-Chefaufseher Ferdinand Piëch offiziell heißen soll, Gestalt an. Der Aufsichtsrat des Autokonzerns hatte am Freitag den Vorstand beauftragt, den Deal abzuschließen. Auf VW-Seite verantwortet Finanzchef Hans Dieter Pötsch den Kauf.

Zum 1. Januar soll die neue VW-Tochter den Betrieb aufnehmen. Die Produktion soll im März 2011 mit einer Cabrio-Variante des Golf starten, hatte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) berichtet. Von den bisherigen drei Generationen des offenen Golf wurden insgesamt 600 765 Stück gefertigt.

2 000 neue Arbeitsplätze erwartet

Hergestellt werden sollen in Osnabrück perspektivisch deutlich mehr als 50 000 Autos pro Jahr. Der Autobauer will mit 200 Mitarbeitern starten, später sollen es mehr als 1 000 sein. Die Gewerkschaft besteht auf Anwendung des Flächentarifvertrages ab 2015. "Volkswagen stützt die Region. Wir haben darauf gedrungen, vorrangig Menschen aus Osnabrück einzustellen. Mittelfristig kann das für die Karmann-Beschäftigten gut sein. Kurzfristig droht vielen leider die Arbeitslosigkeit", sagte Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine dem Handelsblatt.

Verhandlungskreisen zufolge könnten mittelfristig inklusive Zulieferern 2 000 Arbeitsplätze entstehen. Karmann beschäftigte in besten Zeiten mehr als 7 000 Mitarbeiter. In den kommenden Wochen werden VW und Insolvenzverwalter Ottmar Hermann Gespräche aufnehmen, um den VW-Bedarf an Karmann-Leistungen in Osnabrück zu prüfen. Der Insolvenzverwalter spricht zudem mit den beiden Interessenten für den Bereich Dachsysteme.

Wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfuhr, hat das Kartellamt aber dem Autozulieferer Magna signalisiert, aufgrund der entstehenden Marktmacht Schwierigkeiten mit einem Verkauf an die Stuttgarter Magna-Tochter CTS zu haben. VW hat kein Interesse an einer eigenen Dachfertigung. Im Rennen ist noch CIE Automotive aus Spanien. Rund 300 Arbeitsplätze dürften in diesem Bereich in Zukunft übrig bleiben.

Die Sammlung historischer Karmann-Fahrzeuge und-Prototypen wird offenbar in Osnabrück bleiben. VW hat Konzernkreisen zufolge großes Interesse, das Gebäude ist Teil des Verhandlungspakets. Die Stiftung der Karmann-Familien hat ebenfalls Interesse signalisiert, um die Oldtimer in Osnabrück zu halten, erfuhr das Handelsblatt. Zudem steht der Osnabrücker Unternehmer und RWE-Chef Jürgen Großmann bereit. Der Wert der Sammlung liegt Kennern zufolge zwischen einer und drei Mio. Euro.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

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