Verhandlungen über Sozialplan geplatzt
Bei Conti geht der Streit von vorne los

Vor einem halben Jahr hatten sich Mitarbeiter und Geschäftsführung des Autozulieferers Conti über einen Stellenabbau am Stammsitz Hannover geeinigt. Vorausgegangen waren wochenlange Proteste der Beschäftigten. Die grundsätzliche Einigung ist aber Schnee von gestern; an Detailfragen entzündet sich neuer Zwist.

HB HANNOVER. Verhandlungen zwischen Conti sowie Gewerkschaft und Betriebsrat über einen Sozialplan für die rund 370 Beschäftigten der Pkw-Reifenproduktion in Hannover sind gescheitert. Das sagten Sprecher beider Seiten am Donnerstag. Sie bestätigten damit Medienberichte. Nun soll eine Einigungsstelle entscheiden. Die Arbeitnehmerseite sprach von einem „Billig-Sozialplan“. Conti wies dies zurück. Die Pkw-Reifenproduktion in Hannover-Stöcken soll bis Ende 2007 geschlossen werden.

Ein Sprecher der Gewerkschaft Industrie, Bergbau, Chemie (IG BCE) sagte, Conti habe ein unzureichendes Angebot vorgelegt. Die vom Unternehmen vorgeschlagene Höhe der Abfindungen liege deutlich unter den Abfindungen etwa bei AEG. So solle ein 29-Jähriger nach sechs Jahren Betriebszugehörigkeit 6 000 Euro netto erhalten. Davon solle er zudem nur 60 Prozent bekommen, falls er in die geplante Qualifizierungsgesellschaft wechsle.

Ein Conti-Sprecher dagegen sagte, das Unternehmen habe ein „gutes und faires“ Angebot vorgelegt. Die Forderungen des Betriebsrats seien „überzogen“. Einzelheiten, etwa zu den Abfindungssummen, nannte der Sprecher nicht. Er betonte, es handle sich um ein „Gesamtpaket“, das nicht nur die Abfindungen umfasse. Vorrangiges Ziel von Conti sei es, den betroffenen Mitarbeitern dabei zu helfen, eine Weiterbeschäftigung zu bekommen. Wege dazu seien interne Versetzungen oder die Qualifizierungsgesellschaft.

Politiker werfen Conti-Chef Profitgier vor

Im Winter hatte der Konflikt über die Schließung der Pkw-Reifenproduktion in Hannover-Stöcken wochenlang für Aufregung gesorgt. Nach harten Verhandlungen hatten sich beide Seiten im Februar auf den Stellenabbau geeinigt. Im Gegenzug soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Außerdem soll eine Qualifizierungsgesellschaft gegründet werden. Zudem soll der gesamte Conti-Standort Stöcken mit mehr als 3 000 Beschäftigten für den Abbau der Beschäftigung in der Pkw-Reifenfertigung entschädigt werden.

Vorstandschef Manfred Wennemer hatte die ursprünglich für Ende 2006 geplante Stilllegung damit begründet, dass das Wachstum in der Reifensparte geringer ausgefallen sei als erwartet. Stöcken sei der kleinste und teuerste Standort. Arbeitnehmervertreter sowie Politiker aller Parteien hatten Wennemer Profitgier vorgeworfen. Die Pkw-Reifenfertigung sei profitabel. Zudem mache Conti Rekordgewinne.

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