Verkäufe
Industrie ringt um Airbus-Werke

Für den zum Verkauf stehenden deutschen Airbus-Werksverbund zeichnet sich ein Bieterkampf zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen ab. In dem Rennen liegt der schwäbische Mischkonzern klar vorn. Warum die Branche jeden Schritt des Favoriten genau beobachtet.

MÜNCHEN. Während auf deutscher Seite die Bremer OHB-Gruppe ein Angebot abgegeben hat, prüft nach Brancheninformationen auch der Familienkonzern Voith eine entsprechende Offerte. Beide stehen in scharfer Konkurrenz zum US-Konzern Spirit, der mit Hochdruck an einer Übernahme arbeitet. Die deutschen Gebote erfreuen sich starker Rückendeckung der Bundesregierung, die eine „nationale Lösung“ für die Airbus-Standorte anstrebt.

Alle beteiligten Unternehmen lehnen eine Stellungnahme ab, Airbus hat die Bieter zum Stillschweigen verpflichtet. „Die Gespräche mit den Bietern laufen“, sagt ein Sprecher des Airbus-Mutterkonzerns EADS in München. „Voith hat bei dem Werksverbund Augsburg, Varel, Nordenham die besten Chancen“, sagt ein Brancheninsider. „Voith ist fest entschlossen, ein neues Geschäftsfeld in der Luftfahrt aufzubauen.“ Mit großer Aufmerksamkeit beobachtet die Branche die Schritte des Heidenheimer Mischkonzerns. Denn das Familienunternehmen hat beste Beziehungen zum Airbus-Mutterkonzern EADS, der die Werksverkäufe im Zuge des Sanierungsplans „Power 8“ im Frühjahr beschlossen hat. So sitzt der im Frühjahr ausgeschiedene EADS-Co-Chairman Manfred Bischoff im Voith-Aufsichtsrat. Und Voith-Aufsichtsratschef Michael Rogowski ist noch aktives Board-Mitglied bei EADS. Zu einem möglichen Interessenkonflikt mochten sich weder Voith noch Rogowski auf Anfrage äußern.

Die Spekulationen werden angeheizt, nachdem die EADS in der vergangenen Woche überraschend entschieden hat, auch den Verkauf des Standortes Augsburg zu prüfen. Das Werk, das eigentlich der Verteidigungssparte zugeordnet ist, produziert zu siebzig Prozent für die Flugzeugtochter Airbus. „Augsburg macht das Paket mit Varel und Nordenham richtig interessant“, heißt es in Branchenkreisen. Anders als die norddeutschen Standorte hat das Werk bereits jetzt viel Erfahrung mit dem Zukunftswerkstoff Kohlefaser und liefert dem Airbus-Konkurrenten Boeing zu. „Augsburg hat für Voith den Ausschlag gegeben, sich zu engagieren“, sagt ein weiterer Branchenkenner. Airbus will seinen Hoffnungsträger A 350 vorwiegend aus Kohlefasern fertigen.

Doch das mit Augsburg noch größer gewordene Paket kann von der deutschen Industrie nur durch einen Bieterbund geschultert werden. Zusammengenommen entstünde durch den Werksverbund ein Branchenschwergewicht mit 6 000 Beschäftigten und einer Milliarde Euro Umsatz. Schwerer als der Kaufpreis dürften die Investitionen zu Buche schlagen. Alleine in Varel und Nordenham müsste der Käufer 300 Millionen Euro in die Kohlefaserproduktion stecken. Andererseits winkt dem Käufer eine exklusive Lieferbeziehung zu Airbus. Der Flugzeughersteller schiebt trotz der Krise um die A 380 ein 250 Milliarden Euro schweres Auftragsbuch vor sich her. Während der finanzstarke schwäbische Mischkonzern Voith bislang wenig Erfahrung in der Luftfahrtindustrie hat, ist die wesentlich kleinere OHB bereits jetzt gut im Geschäft. Der Bremer Satellitenhersteller hat vor zwei Jahren die Augsburger MAN-Technologies übernommen und ist seitdem ein bedeutender Airbus-Zulieferer.

Deutlich mehr Expertise bringt der amerikanische Bieterkonkurrent Spirit mit, der auf den Bau von Kohlefaserrümpfen spezialisiert ist. Boeing hat in Spirit seine Aktivitäten im Rumpfbau gebündelt und abgespalten, um sich nur noch auf die Entwicklung und Endmontage zu konzentrieren. Diese Entwicklung will Airbus jetzt nachvollziehen. Eine Entscheidung über die Werksverkäufe soll Ende September fallen.

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