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WestLB hält 14 Prozent an Daimler

Seit Tagen reißen die Negativschlagzeilen bei der WestLB nicht ab. Durch Fehlspekulanten ist ein Millionenschaden entstanden. Mitten in die Affäre platzt nun die Meldung, dass die Landesbank plötzlich 14 Prozent an Daimler-Chrysler hält und damit zum größten Aktionär aufgestiegen ist. Das Kreditinstitut will von einer strategischen Beteiligung aber nichts wissen.

HB FRANKFURT/STUTTGART. „Nach Auskunft der WestLB handelt es sich um reine Finanztransaktionen, die vollständig über Terminkontrakte abgesichert sind“, teilte der Stuttgarter Konzern am Donnerstag mit. „Der Bestand an Daimler-Chrysler-Aktien soll bereits in absehbarer Zeit wieder deutlich unter 3 Prozent reduziert werden.“ Die Transaktion sei deshalb keine nachhaltige Veränderung der Aktionärsstruktur des Autobauers. Größter Einzelaktionär an Daimler-Chrysler ist bislang die Kuwait Investment Authority als Vertreterin der Regierung des Staates Kuwait mit 7,1 Prozent.

Ein WestLB-Sprecher betonte, es handele sich um ein „marktübliches Bankgeschäft“. Institutionelle Anleger hätten dem Geldinstitut die Aktien im Wert von fast 9 Mrd. Euro angeboten. Die Bank habe sie übernommen und werde sie über Terminkontrakte zu festgelegten Kursen und Terminen wieder abgeben. Das Geschäft sei so abgesichert, „dass wir in keine Kursrisiken eingehen“, betonte der Sprecher. Wer die institutionellen Anleger gewesen sind, sagte der Sprecher nicht.

Einen Zusammenhang des Daimler-Geschäfts zur Affäre im Eigenhandel schloss die Bank aus. „Das ist kein Spekulationsgeschäft und keine Eigenhandelsposition, das ist für uns ein risikoloses Dienstleistungsgeschäft für Dritte“, sagte der Sprecher der WestLB. Keinesfalls gebe es ein strategisches Interesse an Daimler-Chrysler.

Die WestLB hatte kurz vor Ostern zwei Mitarbeiter der Handelsabteilung – darunter einen Bereichsleiter – entlassen und wirft ihnen interne Regelverstöße vor. Finanzkreisen zufolge entstand durch Fehlspekulationen mit VW-Stamm- und Vorzugsaktien zum Ende des ersten Quartals ein Verlust von um die 100 Mill. Euro. Mittlerweile sind Staatsanwaltschaft sowie Finanzaufsicht eingeschaltet.

Es sei üblich, dass institutionelle Investoren im Vorfeld der Dividendenzahlung eines Unternehmens ihre Anteile an Banken abträten, begründete der WestLB-Sprecher die nun getätigte vorübergehende Beteiligung. Weil die Positionen durch Terminkontrakte gesichert seien, stehe bereits fest, wann und zu welchem Kurs die Bank ihren Daimler-Anteil wieder abbaue. Dies werde voraussichtlich noch im April erfolgen. Daimler-Chrysler hatte seinen Aktionären am 5. April eine Dividende von 1,50 Euro je Anteilsschein gezahlt.

Die WestLB hält den Angaben zufolge gut 144,17 Mill. Daimler-Chrysler-Stimmrechte. Dies entspricht einem Anteil von knapp 14,01 Prozent; zuvor lag er unter der meldepflichtigen Schwelle von 3 Prozent. Die augenscheinlich hohe Position resultiere mit aus dem Umstand, dass die WestLB an der Terminbörse Eurex die Daimler-Chrysler-Papiere federführend betreut, erläuterte der Sprecher der Landesbank.

Die Daimler-Chrysler-Aktie rutschte nach der Meldung vorübergehend stärker ins Minus, erholte sich dann aber und notierte gegen Mittag mit 60,50 Euro um 2,4 Prozent unter dem Vortagesschlusskurs.

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