Verkauf an Finanzinvestor nicht geplant – Verlage zeigen kein Interesse
SPD-Medienholding sucht Partner für „Frankfurter Rundschau“

Die SPD–Medienholding Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG), Hamburg, hält nach einem Investor für die „Frankfurter Rundschau“ Ausschau. „Wir sprechen mit mehreren deutschen Verlagshäusern“, sagte Inge Wettig-Danielmeier, SPD-Schatzmeisterin und zuständig für die DDVG. Namen nannte sie nicht. Einen Verkauf an einen Finanzinvestor schloss sie kategorisch aus.

HB HAMBURG. Erst vor wenigen Tagen ging der Berliner Verlag mit dem Flaggschiff „Berliner Zeitung“ an die ausländische Investorengruppe um David Montgomery. Gegen den Verkauf hatten sich Chefredakteure, Mitarbeiter sowie der Betriebsrat gestemmt. Sie befürchteten, dass die Finanzgruppe das Printhaus mit seinen 500 Mitarbeitern langfristig zerschlägt.

Die SPD-Medienholding will sich von 50,1 Prozent Anteil an der Frankfurter Tageszeitung trennen, weiterhin aber als Minderheitsgesellschafter an Bord bleiben. Ausgenommen vom Verkauf ist die Druckerei. Das Hamburger Medienunternehmen war im April 2004 mit 90 Prozent am Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main eingestiegen, nachdem sich aus der deutschen Verlagsbranche niemand beteiligen wollte.

Fraglich ist, ob die Medienholding jetzt einen Partner für die FR findet. Denn der Berliner Axel Springer AG („Bild“, „Welt“) sowie der Spiegel-Verlag zeigen kein Interesse, heißt es in Kreisen der beteiligten Firmen. Der Springer-Verlag will sich offenbar nicht engagieren, weil er sich durch die geplante Fusion mit der TV-Kette Pro Sieben Sat 1 in Milliardenhöhe verschuldet hat. Springer hatte bereits vor mehr als einem Jahr die Bücher des Frankfurter Verlags geprüft, aber am Ende kein Angebot unterbreitet. Aktuell wollten sich weder Sprecher von Springer noch vom Spiegel äußern. Ein weiterer Interessent könnte die Essener WAZ-Gruppe sein, die lange Zeit mit einem Erwerb der FR geliebäugelt hatte. Ein WAZ–Sprecher will sich hierzu nicht äußern.

Erschwert wird der Verkauf der Zeitung auch durch die offenbar bevorstehende Einführung von Gratiszeitungen in Deutschland. „Ich gehe davon aus, dass die Gratisblätter im nächsten Jahr kommen“, sagte DDVG–Geschäftsführer Jens Berendsen. Damit würden die Auflagen der Tageszeitungen unter Druck geraten.

Die SPD-Medienholding hatte der Frankfurter Tageszeitung eine Schlankheitskur verordnet. So wurde die Zahl der Mitarbeiter auf 720 gesenkt und das Verlagsgebäude veräußert. Die Arbeitsabläufe wurden gestrafft. Grund hierfür war, dass die Auflage um rund fünf Prozent auf 167 000 Exemplare (IVW 3. Quartal) sank und die Rubrikenanzeigen zurückgingen.

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