Verkauf an Investoren
Märklin bekommt eine neue Chance

Das traditionsreiche Familienunternehmen Märklin ist nicht mehr in Familienhand. Ein britischer Finanzinvestor hat den angeschlagenen Modelleisenbahn-Hersteller übernommen. So kommt frisches Geld ins Unternehmen. Doch das Grundproblem bleibt: H0 und Co. haben ihre Anziehungskraft verloren.

HB/hof GÖPPINGEN. Kingsbridge Captial ist der neue Besitzer. Märklin sei mit Vertrag vom 11. Mai von den 22 Altgesellschaftern an die Londoner Investmentgesellschaft verkauft worde, teilte Kingsbridge Capital am Freitag mit. „Als neuer Eigentümer fühlen wir uns der Traditionsmarke Märklin verpflichtet“, sagte der Chef des Finanzinvestors, Mathias Hink. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart worden.

Märklin ist der größte Modellbahnproduzent weltweit. Die Firma kämpft aber seit Jahren mit sinkenden Umsätzen. Um die Kosten zu senken, läuft ein Sanierungsprogramm. 340 Leute mussten im Stammwerk im schwäbischen Göppingen schon gehen.

Kingsbridge hatte bereits vor einigen Monaten von zwei Banken kleinere Märklin-Kredite übernommen. Der Finanzinvestor wollte sich allerdings auch direkt beteiligen. Dies wurde dadurch behindert, dass sich drei Eigentümer bis zum vergangenen Wochenende weigerten, ihre Anteile zu verkaufen. In langen Verhandlungen wurden die Differenzen gelöst.

Experten sehen gute Chancen, Märklin wieder auf die Beine zu bringen.„ Ich bin überzeugt, dass Märklin eine Zukunft hat. Das Unternehmen ist auf einem guten Weg“, sagte am Donnerstag kurz nach Bekanntwerden des Geschäfts Jürgen-Michael Gottinger von Wieselhuber & Partner. Das Beratungsunternehmen hat ein Restrukturierungsprogramm für Märklin erarbeitet. Schlüssel zum Erfolg seien Innovationen wie ein neues Konzept zur Zugsteuerung.

Größtes Problem der gesamten Modellbahnbranche ist nach Ansicht der Berater der fehlende Nachwuchs. Zum Vergleich: Vor 30 Jahren gab es jedes Jahr 390 000 neue Modellbahnfans. Vergangenes Jahr kamen lediglich 168 000 Deutsche zu diesem Hobby. Sollten die Anbieter nicht mit erfolgreichen Produktneuheiten reagieren, so würde laut den Berechnungen von Wieselhuber & Partner das Marktvolumen von rund 348 Mill. Euro im Jahr 2004 auf 265 Mill. Euro in fünf Jahren fallen. Als Marktführer wäre Märklin davon am stärksten betroffen. Die letzten Umsatzzahlen hat Märklin 2004 veröffentlicht. Damals erwirtschaftete das Unternehmen 148,5 Mill. Euro. 2005 bröckelte der Umsatz weiter ab.

Märklin-Chef Paul Adams sieht sein Unternehmen bereits wieder im Aufwind. Die Auftragslage nach der Spielwarenmesse in Nürnberg, dem wichtigsten Treff der Branche, sei positiv, sagte er jüngst dem Handelsblatt. In Deutschland schrumpft die Spielwarenbranche seit Jahren. Grund dafür ist einerseits, dass weniger Kinder auf die Welt kommen. Andererseits interessiert sich der Nachwuchs immer früher für Computer und Handys und lässt Puppen und Eisenbahnen links liegen.

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