Verkauf an Novartis beschert Hexal Milliarden
Erfolg der Hexal-Zwillinge

Thomas Strüngmann und sein Zwillingsbruder Andreas sind immer für Überraschungen gut. „Ich kann mir durchaus etwas anderes vorstellen, als möglichst günstig Medikamente nachzuahmen“, vertraute Thomas Strüngmann vor knapp einem Jahr dem Handelsblatt an. Es gebe vieles, was ihn unternehmerisch reize.

MÜNCHEN. Damals war noch nicht ganz klar, wie ernst der bisherige Mit-Eigentümer von Hexal dies meinte. Nach dem Verkauf an Novartis haben die beiden zu den reichsten Deutschen gehörenden Brüder über 5,6 Mrd. Euro mehr in der Kasse.

Was die 55-Jährigen mit dem Geld anfangen, ließen sie gestern offen. Dem Zufall werden sie aber wie bisher kaum etwas überlassen. Santo heißt die Familien-Holding, in der ihre Beteiligungen gebündelt sind. Das klingt südländisch, heißt aber nicht mehr als die Abkürzung für „Strüngmann Andreas Thomas“. Im Jahr 2002 brachten sie 23 Prozent der US-Firma Eon Labs für 145 Mill. Dollar an die Börse. Vergangenen März verkaufte Santo das Generikaunternehmen Betapharm für 300 Mill. Euro. Mitte April übernahm Santo die Stuttgarter Südwestbank und eröffnete sich alle Möglichkeiten zur Geldanlage in eigener Regie.

Doch über Geld spricht Thomas Strüngmann nicht gerne. Er liebt das Understatement. Chef-Allüren und Statussymbole sind ihm und seinem Bruder fern. Hexal-Mitarbeiter nennen sie fast liebevoll „unsere Doctores“ – sie schätzen ihre Chefs, weil sie klare erreichbare Vorgaben bekommen. Die Vorstandszimmer sind vom Flur aus einsehbar. Branchenkenner bezweifeln aber, ob Hexal den Elan und Erfolg ohne seine beiden Protagonisten beibehalten kann.

Ihr Vater Ernst Strüngmann war ebenfalls Unternehmer: Ihm gehörte die Firma Durachemie in Duisburg. Die Zwillinge studierten und promovierten – Andreas als Mediziner, Thomas als Ökonom. 1985 fragte Vater Ernst seine Söhne, ob sie in die Pharmafirma einsteigen wollen, doch beide hatten andere Pläne: Thomas arbeitete in New York und Andreas als Arzt in Südafrika.

Aber sie kehrten zurück und verkauften Durachemie. 1986 gründeten sie in einem Wohnhaus am Tegernsee Hexal. „Mein Bruder weiß, wo man die besten Fische angelt, und ich ziehe sie an Land“, beschreibt Thomas Strüngmann die Arbeitsteilung der Zwillinge. Mal sehen, wo die Strüngmanns demnächst fischen.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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