Verkauf an russische Investorengruppe
Rettung für insolvente Wadan-Werften naht

Eine Rettung der insolventen Wadan-Werften ist in greifbare Nähe gerückt. Am Montag will der Gläubigerausschuss über den Kaufvertrag mit dem russischen Investor Igor Jussufow beraten. Eine Zustimmung ist mit den positiven Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew wahrscheinlich geworden.

SOTSCHI/DÜSSELDORF. Man müsse sich dennoch im Gläubigerausschuss auf eine intensive Debatte einstellen, da die Gläubiger der beiden ostdeutschen Werften auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssten, hieß es im Umfeld der Gespräche. Ihnen müsse klar sein, dass sie von einer erfolgreichen Fortführung langfristig profitieren würden. Der Schiffbauer, der mit rund 90 Mio. Euro bei seinen Zulieferern in der Kreide steht, hatte Anfang Juni Insolvenz beantragt.

An dem morgigen Treffen nehmen neben Insolvenzverwalter Marc Odebrecht Vertreter der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns, der Deutschen Bank, der KfW und von Rückversicherungen teil. Diese hatten Leistungen der Zulieferer besichert.

Sollte das Gremium dem Kaufvertrag zustimmen, dann steht einer Veräußerung der Wadan-Werften an eine Gruppe um den früheren russischen Energieminister Jussufow nichts mehr im Wege. Jussufow, der im Aufsichtsrat von Gazprom sitzt, bietet über eine in der Schweiz angesiedelte Aktiengesellschaft. Offen ist, wer neben ihm und seinem Sohn Witalij an der Gesellschaft beteiligt ist. Um diese Frage zu erörtern, sei die Bundesregierung eingeschaltet worden.

Dem Treffen von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und Medwedjew im russischen Sotschi wurde daher große Bedeutung beigemessen. „Hier bahnt sich eine Kooperation an, die wir, so weit das notwendig ist, auch seitens der Regierung begleiten wollen“, sagte Merkel, die ihren Wahlkreis in der Nähe der Werftenstandorte in Rostock-Warnemünde und Wismar hat. Sie habe den Eindruck, dass der neue Investor ein „seriöses Interesse“ an den Wadan-Werften hat. Er gehe nach ihrer Kenntnis auch längerfristige Verpflichtungen ein. Medwedjew äußerte die Hoffnung, dass der neue Investor bei den Wadan-Werften Arbeitplätze sichern wird. Jussufows Konzept zufolge sollen 1 600 der 2 500 Stellen erhalten bleiben.

Mit ihrer Rückdeckung wollen die beiden Politiker Zweifel an dem russischen Investor ausräumen, hatte der jetzige Besitzer Andrej Burlakow die separat geführten Werften doch in die Pleite rutschen lassen. Eine direkte Beteiligung seines Staates lehnte Medwedjew ab. „Bei der Werftenfrage geht es um private Investitionen, der Staat ist nicht beteiligt“, sagte er. Die deutsche Seite setzt aber darauf, dass der russische Staat oder staatsnahe Unternehmen Aufträge an die Werft vergeben können. Auf Jussufow ruhen auch deshalb große Hoffnungen, weil dieser über gute Kontakte in den russischen Staatsapparat verfügen soll.

Russland braucht Spezialschiffe, die Wadan herstellt – etwa Transporter für Flüssiggas oder eistaugliche Frachter für die Erschließung des Stockmann-Gasfeldes in der Barentsee. Auch zum Abtransport von Nickel aus schwer zugänglichen Regionen bräuchte Russland Spezialschiffe, war am Rande der Gespräche zu hören.

Ein Geschäft, dessen Logik der Physikerin Merkel einleuchtet. „Die Werften in Deutschland sind nach der Einheit auf einen sehr hohen Stand gebracht worden“, sagt sie. Wenn ein Russe hier investiere und Russland dann dort Spezialschiffe bauen lassen wolle, sei dies „ein intelligentes Projekt“.

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