Verkauf der Airbus-Anteile
Briten pochen auf mehr Einfluss bei EADS

Die britische Regierung will ihren Einfluss auf den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS verstärken und mischt sich nun in die Verhandlungen mit BAE Systems ein..

MÜNCHEN. Großbritannien drängt offenbar darauf, dass künftig ein Engländer in dem Verwaltungsrat des Konzerns Platz nimmt. Entsprechende Berichte bestätigte die EADS am Wochenende. „Es ist gut vorstellbar, dass ein qualifizierter, angelsächsischer Vertreter in das Board einzieht“, sagte ein EADS-Sprecher dem Handelsblatt. Allerdings sei es nicht Sache von Regierungen, Board-Mitglieder bei der EADS zu bestimmen, so der Sprecher weiter. Derzeit trifft sich die Branche auf der Luftfahrtmesse in Farnborough. EADS-Co-Chef Tom Enders wird dort auch mit Vertretern der englischen Regierung zusammenkommen.

Die Briten wollen ihre Interessen bei der EADS schützen und nutzen dazu die Verhandlungen des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems. Die Konzernlenker pokern derzeit mit dem EADS-Management um den 20-prozentigen Airbus-Anteil, den BAE Systems immer noch an dem Flugzeughersteller hält. Die Briten führen den Airbus-Anteil nur noch als Finanzbeteiligung und wollen das Geld für Zukäufe auf dem US-Rüstungsmarkt nutzen.

Die Gespräche verlaufen frostig. Als die Briten im April ihre Verkaufsoption zogen, gingen sie noch von einem Anteilspreis von über fünf Mrd. Euro aus. Doch Mitte Juni musste Airbus erhebliche Lieferschwierigkeiten beim Riesenflieger A 380 einräumen – der Wert des Flugzeugherstellers brach ein. Die als Schlichter berufene Bank Rothschild schätzte den Wert des britischen Airbus-Pakets nur noch auf 2,75 Mrd. Euro.

BAE Systems will die Vorgänge bei Airbus nun gesondert prüfen, EADS pocht hingegen auf die Einhaltung des Verkaufversprechens. Die zuvor eigenständige Flugzeugtochter soll so schnell wie möglich mit EADS verschmolzen werden.

Airbus ist ein wichtiger Arbeitgeber in Großbritannien, 13 000 Beschäftigte fertigen vor allem Tragflächen für Airbus. Doch Großbritannien ist auch ein wichtiger Kunde für europäische Rüstungsprojekte wie den Eurofighter. EADS möchte seinen Anteil im Rüstungsgeschäft kräftig ausbauen.

Ein unabhängiger britischer Vertreter im Verwaltungsrat wäre auch ein wichtiges Signal für die Finanzwelt. Es ist ein erklärtes Ziel der EADS-Führung mehr britische und amerikanische Fonds für die EADS-Aktie zu gewinnen.

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