Verkauf der Baustofftochter
Haniel findet Käufer für Xella

Der Duisburger Haniel-Konzern wird nach Informationen des Handelsblatts in der kommenden Woche den Verkauf seiner Baustofftochter Xella bekannt geben. Vorstandschef Eckhard Cordes habe sich mit den Finanzinvestoren PAI Partners und Goldman Sachs geeinigt, hieß es – auf einen Verkaufspreis in Milliardenhöhe.

FRANKFURT. Haniel-Chef Cordes habe sich mit den Finanzinvestoren PAI Partners und Goldman Sachs auf einen Verkaufspreis von 1,9 Mrd. Euro geeinigt, hieß es im Kreis der Verhandlungspartner. Sprecherinnen von Haniel und Goldman Sachs wollten dazu auf Anfrage nicht Stellung nehmen. Sie dementierten allerdings Berichte, nach denen der Kaufvertrag bereits am Dienstag unterzeichnet worden sei. Bei PAI Partners in München hieß es dazu: „Kein Kommentar."

Das französische Fondsunternehmen PAI besitzt in Deutschland den Baustoffanbieter Monier. Der Dachziegelhersteller, der einst dem französischen Baustoffkonzern Lafarge unterstand, ist in Deutschland mit der Marke Braas präsent.

Mit ihrem Gebot, berichten mit den Verhandlungen vertraute Kreise, hätten die beiden Finanzinvestoren die übrigen Bieter aus dem Rennen geworfen. Zu ihnen zählten dem Vernehmen nach der irische Bauzulieferer CRH und der österreichische Wettbewerber Wienerberger, der allerdings schon vor wenigen Wochen wegen kartellrechtlicher Hürden aus dem Bieterverfahren ausgestiegen war.

Die Höhe des Kaufpreises dürfte in Duisburg allerdings für Enttäuschung sorgen. Zu Beginn der Käufersuche war im Kreis der Verkäufer eine Summe von rund drei Mrd. Euro kolportiert worden. Die „Financial Times Deutschland“ schrieb, Konzernchef Cordes selbst habe diese Summe genannt. Der aber dementierte hartnäckig. Eine Zielgröße sei öffentlich von Haniel nie beziffert worden.

Schon damals hatten Analysten darauf hingewiesen, dass bei ähnlichen Verkäufen in der Vergangenheit deutlich geringere Preise gezahlt worden seien. Branchenexperten wie Marc Nettelbeck von der Landesbank Baden-Württemberg etwa hatten für Xella einen Verkaufserlös von knapp unter zwei Mrd. Euro erwartet – womit der jetzt erzielte Preis als fair erscheint. Dass Xella vor wenigen Wochen einen um 24 Prozent auf 155 Mill. Euro gesteigerten Vorsteuergewinn präsentierte, konnte den Preis offenbar nicht mehr in die Höhe treiben.

Weshalb sich der verschwiegene Haniel-Konzern von seiner 1,3 Mrd. Euro Umsatz schweren Tochter trennt, ist strittig. „Wir wollen uns im Schwerpunkt auf Handel und Dienstleistungen konzentrieren“, begründete Haniel-Chef Cordes den Entschluss gegenüber dem Handelsblatt.

Für den 250 Jahre alten Mischkonzern, der schon an Bergbauunternehmen, Reedereien, Stahlwerken und Tankstellen beteiligt war, wäre die Konzentration auf eine oder zwei Branchen allerdings ein Novum. Derzeit halten die Duisburger neben Xella Anteile am Handelskonzern Metro, am Pharmagroßhändler Celesio, am Hygienespezialisten CWS-Boco und am Edelstahlhersteller ELG. Zusätzliche Verkäufe, etwa um das Portfolio weiter in Richtung Handel und Dienstleistungen zu bereinigen, sind aber offiziell nicht geplant.

Anders als von Cordes behauptet, halten Beobachter daher die Finanzlage von Haniel für den eigentlichen Grund des Ausstiegs bei Xella. Denn für die Aufstockung der Metro-Beteiligung auf 34 Prozent vor einem Jahr gaben die Duisburger 3,1 Mrd. Euro aus, wodurch sich die Eigenkapitalquote verschlechterte.

Nach Berechnungen der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stieg seither die Nettoverschuldung, gemessen am Konzernvermögen, auf rund 29 Prozent. Dass S&P für das tatsächliche Schuldenrisiko nur eine Quote von 22 Prozent errechnete, hilft Haniel nur bedingt. Denn verharrt die Verschuldung längerfristig über 20 Prozent, will die Ratingagentur Haniels komfortable Bewertung („A-“) korrigieren. Kredite würden damit teurer. Konzernchef Cordes weist solche Überlegungen zurück. „Wir müssen nichts verkaufen“, beteuerte er Ende April bei der Vorlage der Jahresergebnisse.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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