Verkauf der Danone-Keksproduktion
„Belgien ist einfach zu klein“

Im belgischen Städtchen Herentals, keine einhundert Meter voneinander entfernt liegen die Werke von Danone und Kraft Foods. Ein süßlicher Geruch liegt in der Luft. Und dennoch ist die Stimmung unter den Angestellten seit ein paar Tagen völlig verschieden. Schuld daran ist die Übernahme der Danone-Keksproduktion durch Kraft Foods.

HERENTALS. Seit 25 Jahren kommt Francis Geerts mit dem Fahrrad zur Arbeit. Jeden Morgen pünktlich kurz vor Schichtbeginn um sechs Uhr kettet der Flame seinen Drahtesel vor der Werkstür an, läuft durch das Drehkreuz, tauscht Jeans und Hemd gegen einen weißen Overall und stürzt sich in die Arbeit – er ist Konditor bei LU im belgischen Herentals bei Antwerpen. Der französische Eigentümer Danone lässt hier von rund 1 200 Personen Butterkekse und Salz-Cracker herstellen – 85 000 Tonnen im Jahr.

Einen Katzensprung entfernt erledigt Karl Van Beever ganz ähnliche Handgriffe wie sein Kollege Geerts – er kümmert sich um die Schokoladenlieferungen bei Kraft Foods. Das US-amerikanische Unternehmen produziert hier unter anderem Schokoladen-Eier.

Die beiden Werkstore liegen keine einhundert Meter voneinander entfernt. Ein süßlicher Geruch liegt in der Luft. Und dennoch ist die Stimmung unter den Angestellten seit ein paar Tagen völlig verschieden. Schuld daran ist die Übernahme der Danone-Keksproduktion durch Kraft Foods, die die beiden Konzerne Anfang der Woche angekündigt hatten. 5,3 Milliarden Euro will Kraft für die Sparte auf den Tisch legen.

Für die einen – nämlich die Angestellten von Kraft – ist das eine gute Nachricht. Den Kollegen bei LU macht sie dagegen Angst: „Wir wissen nicht, was uns die Zukunft bringen wird. Keiner sagt uns, ob wir alle wie bisher weiterarbeiten können oder nicht“, sagt Ludo Driesen von der Gewerkschaft FTGB, der sich vor dem Werkstor eine Zigarette angezündet hat. Seit 30 Jahren arbeitet er hier – zum ersten Mal fürchtet er nun um seinen Job. Und so wie ihm geht es vielen.

Die Konzernleitung hat versucht, die Angestellten zu beruhigen. In einer Mitteilung konnten sie lesen: „In den ersten drei Jahren nach dem endgültigen Vertragsabschluss wird es keine Werksschließungen in Frankreich geben.“ Für Ludo Driesen besagt das gar nichts: „Keiner redet da von Belgien.“

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