Verkauf der Gummi-Gruppe: Von Grünberg: Contis Strippenzieher könnte sich verheddern

Verkauf der Gummi-Gruppe
Von Grünberg: Contis Strippenzieher könnte sich verheddern

Ein Verkauf der Gummi-Gruppe könnte Conti finanziellen Spielraum verschaffen. Doch mit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise ist kein vernünftiger Preis zu erzielen. Nach zwei gescheiterten Verkaufsverhandlungen liegt das Vorhaben derzeit auf Eis. Im Hintergrund gab es allerdings wohl noch einen weiteren Interessenten: Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg.

HAMBURG. Der Unmut der freien Aktionäre von Continental über die Beharrungskräfte von Aufsichtratschef Hubertus von Grünberg wird nur noch durch ihren Unglauben über seine taktischen Finten übertroffen. "Hierzulande hätte er längst gehen müssen", sagte der Chef eines US-Investors, der Aktien an Conti hält, dem Handelsblatt.

Der Amerikaner macht eine einfache Rechnung auf: Die Mehrheit der Conti-Aktionäre, allen voran Großaktionär Schaeffler, verlangt von Grünbergs Rücktritt. "Es ist gegen das Interesse der Eigentümer, dass er noch am Ruder ist", sagt der Fondsmanager. Kreise des Conti-Aufsichtsrates verweisen dagegen auf das deutsche Aktienrecht: Demnach muss ein Aufseher, besonders der Chefkontrolleur, Schaden vom Unternehmen abwenden - selbst wenn das gegen den Willen der Aktionäre sein sollte. Auch die Interessen der Arbeitnehmer sind zu wahren.

Am meisten ärgert sich der US-Investor über die "dubiose Rolle", die von Grünberg aus seiner Sicht besonders im November und Dezember 2008 gespielt haben soll. Der Vorwurf wiegt schwer: Von "persönlichen Interessen" ist die Rede. Von Grünberg schweigt zu den Vorwürfen. Zur Vorgeschichte: Conti-Chef Karl-Thomas Neumann ließ eine Beratertruppe unter Führung der Investmentbank Perella Weinberg die Folgen eines Verkaufes der Gummi-Gruppe von Continental prüfen. Zu den Traditionsbereichen und Ertragsbringern der Niedersachsen gehören die PKW- und LKW-Reifen- sparten sowie Conti Conti-Tech. steht seit der Übernahme des Konkurrenten VDO im Jahr 2007 mit fast elf Mrd. Euro in der Kreide, Großaktionär Schaeffler drücken vergleichbare Schulden.

Ein Verkauf der Gummi-Gruppe, so Neumanns Überlegung, könnte Conti finanziellen Spielraum verschaffen. Und auch strategisch wäre ein solcher Schritt sinnvoll: Conti könnte sich ganz auf das zukunftsträchtige Zuliefergeschäft konzentrieren, neue Geldgeber würden die Investitionsklemme in den Reifensparten auflösen. Conti-Vorstand Alan Hippe, der nun zu ThyssenKrupp wechselt, sollte dann für die neuen Eigentümer das Ruder übernehmen. Selbst Contis Ex-Chef Manfred Wennemer war angeblich schon als Berater verpflichtet.

Doch seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise ist ein adäquater Verkaufspreis nicht zu erzielen. Und ironischerweise stabilisiert gerade die Gummi-Gruppe die Erträge des angeschlagenen Automobilzulieferers. Nach Verhandlungen mit zwei Konsortien aus verschiedenen Private-Equity-Firmen wie Kohlberg Kravis Roberts (KKR) legte Neumann die Verkaufsüberlegungen entsprechend erst einmal auf Eis.

Im Hintergrund gab es allerdings wohl noch einen weiteren Interessenten: Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg. Aus Sorge darum, Schaeffler selbst könne die Reifensparte an einen industriellen Konkurrenten wie Bridgestone aus Japan verkaufen, der dann die Reifenzentrale in Hannover schließen würde, bot von Grünberg den Schaefflers offenbar einen Management-Buy-Out an.

Mit Unglauben habe man in der Unternehmenszentrale in Herzogenaurach auf das Ansinnen des Niedersachsen reagiert, heißt es in Schaeffler-Kreisen. Der angebotene Preis sei jedenfalls viel zu niedrig gewesen, berichten Schaeffler-Manager. Von Grünberg hüllt sich dagegen in Schweigen.

Selbst Wegbegleitern ist der Mann ein Rätsel. Ex-Continental-Chef Wennemer und Hippe rieben sich schon im Abwehrkampf des Jahres 2008 die Augen über von Grünbergs als Schaeffler-freundlich empfundene Position. Wennemer musste nach Schaefflers Sieg gehen. Von Grünberg dürfte folgen.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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