Verkauf der Kieler Werft HDW
Thyssen-Krupp sieht Bundesregierung in der Pflicht

Der Mischkonzern Thyssen-Krupp hofft beim anstehenden Verkauf der dem US-Finanzinvestor OEP gehörenden Kieler Werft HDW auf die Unterstützung der Bundesregierung.

Reuters DÜSSELDORF. „Die Regierung ist am Zug“, sagte ein Sprecher von Thyssen-Krupp am Dienstag zu einem Zeitungsbericht, wonach zwei französische Rüstungskonzerne Interesse am Kauf der Howaldswerke Deutsche-Werft AG (HDW) gezeigt haben. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe schließlich mehrfach für den Erhalt einer deutschen wehrtechnischen Industrie plädiert, erklärte der Thyssen-Krupp-Sprecher. Man habe OEP kürzlich ein Kaufangebot für HDW gemacht. Über die Höhe wollte der Sprecher nichts sagen. In Branchenkreisen wird spekuliert, dass der von deutscher Seite gebotene Preis weit hinter dem der französischen Interessenten liege. Von OEP war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Die Zeitung „Die Welt“ hatte in ihrer Dienstagsausgabe berichtet, vor allem der Rüstungskonzern Thales sei in den Verhandlungen mit OEP schon weit voran gekommen. Außerdem zeige noch der Staatskonzern Direction des Constructions Navales (DCN) Interesse.

OEP hatte HDW im vorigen Jahr von der inzwischen insolventen Babcock Borsig AG und dem TUI-Konzern erworben und Thyssen-Krupp zunächst eine Minderheitsbeteiligung angeboten. Nachdem sich lukrative U-Boot-Exportaufträge wegen des strikten Kriegswaffenkontrollgesetzes und des Außenwirtschaftsgesetzes nicht realisieren ließen, schrumpfte das OEP-Interesse an HDW nach Ansicht von Branchenkennern erheblich.

HDW ist nach eigenen Angaben vor allem wegen seines Brennstoffzellen-Antriebs führend auf den für das Unternehmen relevanten U-Boot-Märkten. Ein Sprecher bezifferte den Marktanteil an Diesel- und Brennstoffzellen getriebenen U-Booten in den Ländern, in die geliefert werden darf, auf 70 bis 75 %. Thyssen-Krupp ist mit seinen Nordseewerken und Blohm + Voss selbst im Marine- wie im Handelsschiffbau vertreten. Im Marineschiffbau kooperieren die Thyssen-Krupp-Werften seit Jahren mit HDW in der Auftragsbeschaffung.

Die Bundesregierung müsse ein Signal geben, ob sie den Verkauf der größten deutschen Marinewerft ins Ausland gutheiße oder nicht, sagte der Thyssen-Krupp-Sprecher weiter. „HDW ist jetzt zu hundert Prozent in amerikanischer Hand. Wenn die Werft von Franzosen übernommen würde, wäre das nur ein gradueller Unterschied“, sagte er. Schröder habe sein Plädoyer für den Erhalt der heimischen wehrtechnischen Industrie schließlich mit sicherheitspolitischen Argumenten begründet. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, man habe als Auftraggeber für die Rüstungsindustrie ein Interesse daran, dass die entsprechenden Industriezweige gesund seien. Er unterstrich aber, dass sich Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) mehrfach für eine intensivere Zusammenarbeit in der europäischen Rüstungsindustrie ausgesprochen habe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%