Verkauf doch möglich?
Saab-Überleben hängt an seidenem Faden

Das Überleben des schwedische Autobauers Saab durch einen Verkauf an den niederländischen Sportwagenhersteller Spyker Cars steht weiter auf Messers Schneide. Allerdings besteht der bisherige Mutterkonzern General Motors (GM) nicht mehr auf einer Abwicklung bis zum Jahresende.
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HB DETROIT/STOCKHOLM. Offiziell hieß es zwar am Mittwoch bei GM in Detroit, es gebe keine Fristverlängerung. Inoffiziell verlautete aber, es gebe „eine technische Möglichkeit“, bis zum 7. Januar die Tür für einen Verkauf weiter offenzuhalten. Allerdings herrsche in Detroit eher Skepsis, dass tatsächlich noch ein Deal zustande kommt.

Dagegen gibt es bei Saab noch Hoffnung, über den Jahreswechsel hinaus doch zu einem Verkauf zu kommen. Unternehmenssprecher Eric Geers bestätigte, dass GM weiter in Kontakt mit Spyker Cars steht. Geers bestritt ausdrücklich Medienberichte, wonach GM den Niederländern eine Fristverlängerung bis zum 7. Januar gewährt haben soll. „Da hat sich an der Lage seit Mitte Dezember nichts geändert“, sagte Geers.

Am Donnerstag bemühten sich offenbar mehrere Unternehmen um einen Kauf der angeschlagenen schwedischen General-Motors-Tochter. Zusätzlich zum Gebot des niederländischen Sportwagenherstellers Spyker Cars rechnete der schwedische Industriestaatssekretär Jöran Hagglund mit weiteren Offerten.

Er habe seit dem 18. Dezember Kontakte zu verschiedenen Bietern gehabt, sagte Hagglund der schwedischen Zeitung „Dagens Industri“. „Ich denke, dass mindestens zwei von ihnen am Donnerstag GM Gebote vorlegen werden.“ Die Frist für Saab-Kaufangebote sollte laut Spyker um 21.00 Uhr MEZ ablaufen. GM hatte zuletzt kaum noch Hoffnung, eine annehmbare Offerte zu erhalten.

Hagglund sagte zu den möglichen Bietern aus Schweden: „Das Problem ist, dass keiner von ihnen eine Finanzierung vorweisen kann.“ Die schwedische Luxuswagenschmiede Koenigsegg, die sich vergangenes Jahr aus dem Bieterwettbewerb zurückgezogen hatte, gehöre nicht zu den an Saab interessierten Unternehmen. Indes wollte Spyker Cars definitiv ein weiteres Übernahmeangebot vorlegen. Die Offerte werde bis Donnerstagabend abgegeben, erklärte Spyker-Chef Victor Muller. Er sei zuversichtlich, dass das Saab-Angebot akzeptabel sein werde.

Trotz der düsteren Aussichten gibt sich die schwedische Gewerkschaft IF Metall zuversichtlich. Es gebe noch „jede Chance“ für ein gutes Ende für Saab. Sie erwarteten ein solides Gebot, teilte die Gewerkschaft mit. Laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person wollen die Mitglieder des Saab-Direktoriums am Freitag zu Beratungen zusammenkommen.

GM hatte sich zuvor bereits für die Abwicklung von Saab mit derzeit 3400 Beschäftigten entschieden, nach einem „Last-Minute“- Angebot von Spyker aber grünes Licht für neue Verhandlungen gegeben. Nach Auskunft von Betriebsrats- und Gewerkschaftssprechern in Stockholm soll es noch weitere Interessenten geben. Saab hat in den vergangenen 20 Jahren als GM-Tochter fast durchweg Verluste eingefahren.

GM sucht seit Januar 2009 einen Käufer für seine verlustträchtige schwedische Tochter. Ein Geschäft mit dem exklusiven schwedischen Sportwagenbauer Koenigsegg war Ende November geplatzt. Gewerkschaftsangaben zufolge könnte ein Aus des Autobauers den Verlust von insgesamt 8000 Arbeitsplätzen bedeuten, weil auch Zulieferer betroffen sind.

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