Verkauf von Jaguar und Land Rover
Ford blitzt in Deutschland ab

Der angeschlagene US-Autokonzern Ford hat bei seiner Suche nach einem möglichen Käufer für seine Luxusmarken Jaguar und Land Rover erste Absagen kassiert. Neben Renault und Fiat winkten nach einer Umfrage des Handelsblatts auch die führenden deutschen Hersteller ab. Kaufinteressenten gibt es dennoch – nur kommen sie aus einer ganz anderen Ecke.

FRANKFURT. Nach Angaben der Sprecher von Daimler-Chrysler, BMW, VW und Porsche besteht bei keinem dieser Unternehmen Interesse an einem Erwerb der beiden britischen Traditionsmarken. Zuvor hatte bereits der koreanische Autohersteller Hyundai abgewunken. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die Ford-Töchter in den Händen von Finanzinvestoren landen werden, wogegen sich aber bei den britischen Gewerkschaften bereits Widerstand formiert.

Ford erwartet laut Unternehmenskreisen ein großes Interesse von Private-Equity-Gesellschaften für die beiden Marken. Als Interessenten gelten in Branchenkreisen neben der Beteiligungsgesellschaft One Equity Partners mit Ex-Ford-Chef Jacques Nasser an Bord auch eine Investorengruppe um Dave Richards, die im März bereits die Ford-Marke Aston Martin kaufte. Außerdem David James, der von Daimler die Rechte am Smart-Roadster erwarb. Ein Ford-Sprecher sagte, Ford arbeite mit seinen Finanzberatern am besten Weg für die beiden Marken. Daimler hatte erst im Mai seine US-Sparte Chrysler an den Finanzinvestor Cerberus verkauft.

Die Ford-Luxussparte Premier Automotive Group (PAG), zu der neben Volvo auch Jaguar und Land Rover zählen, steht damit vor einer weiteren Filetierung. Ford hatte erst im März die PAG-Luxusmarke Aston Martin für rund 450 Mill. Pfund (damals 702 Mill. Euro) verkauft.

Nun hat Ford nach Informationen aus Branchenkreisen mehrere US-Investmentbanken damit beauftragt, nach Käufern für seine britischen Luxusmarken Jaguar und Land Rover Ausschau zu halten. Verkaufsabsichten für Volvo hatte Ford dagegen jüngst dementiert. Intern werde der vertrauliche Plan als „Project Swift“ geführt. Seit längerem wird über den Verkauf der Nobelmarken Jaguar und Land Rover spekuliert. Der neue Ford-Chef Alan Mulally hatte sich schon bei seinem Start im Herbst 2006 eine Veräußerung von Jaguar und Land Rover offen gehalten.

Ford braucht Geld

Nach Einschätzung von Branchenexperten könnte Ford frisches Geld gut gebrauchen. Ford steckt in der tiefsten Krise seiner über 100-jährigen Geschichte und musste 2006 einen Rekordverlust von fast 13 Mrd. Dollar hinnehmen. Der Konzern befindet sich daher am Anfang einer auf vier Jahre angelegten Sanierung. Mulally hatte bereits im Herbst angekündigt, dass der Autobauer erst 2009 wieder mit schwarzen Zahlen rechnet. Der frühere Boeing-Manager, der erst seit September 2006 an der Spitze des Unternehmens steht, will Ford durch Massenentlassungen und Fabrikschließungen in Nordamerika wieder auf Vordermann bringen. So sollen 16 Fabriken bis 2012 geschlossen und 45 000 Stellen gestrichen werden.

Ford hatte nach Darstellung von US-Medien bereits im September 2006 Gespräche mit One Equity Partners im Hinblick auf einen möglichen Verkauf einiger Luxusmarken geführt. Da Jaguar und Land Rover vor allem im Vertrieb eng miteinander vernetzt sind, gilt nur ein Verkauf im Paket als praktikabel. Zudem könnten die Gewinne der Offroader-Marke einem Investor auch den Erwerb der kriselnden Marke Jaguar schmackhafter machen. Industrielle Investoren schreckt jedoch ab, dass Jaguar und Land Rover viele Plattformen mit Ford-Modellen teilen. Ein Verkauf an einen branchenfremden Interessenten sei deshalb wahrscheinlicher, mutmaßen Analysten. Der Finanzinvestor Alchemy Partners, der laut Medienberichten ein Gebot vorbereiten sollte, wies indes Kaufabsichten zurück.

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