Verkauf von Kohlekraftwerken.: Vattenfall will Berlin entmachten

Verkauf von Kohlekraftwerken.
Vattenfall will Berlin entmachten

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall plant eine tiefgreifende Umstrukturierung und Neuausrichtung. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen in Stockholm erfuhr, wird die strategische Hinwendung zu mehr erneuerbarer und klimaneutraler Energie auch Konsequenzen für Deutschlands drittgrößten Energieversorger, die in Berlin ansässige Vattenfall Europe, haben.
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STOCKHOLM. So soll der Staatskonzern den Anteil der Kohle an der Stromproduktion verringern. Vattenfall Europe betreibt in Deutschland, Dänemark, Polen und Holland große Kohlekraftwerke. Außerdem ist der Konzern in Belgien, Dänemark, Finnland und Großbritannien aktiv.

Während das Unternehmen in seinem Heimatland neben Atomkraft hauptsächlich auf Wasser- und Windkraft setzt, liegt der Anteil fossiler Brennstoffe bei Vattenfall Europe nahe 90 Prozent. Um ihn zu verringern, schließt der Konzern auch einen Verkauf deutscher Kohlekraftwerke nicht aus. Ein vollständiger Rückzug aus dem deutschen Markt sei aber nicht aktuell, hieß es in Stockholm. Auch der Ausstieg aus den beiden stillstehenden Atomkraftwerken in Brunsbüttel und Krümmel sei nicht geplant.

Auslöser der durchgreifenden Veränderungen bei Vattenfall ist eine im Frühjahr von der bürgerlichen Regierung in Schweden erlassene neue Eignerdirektive. Sie weist den Staatskonzern an, den Anteil der Energieproduktion aus fossilen Brennstoffen deutlich zu vermindern. Auch ein Ende der regionalen Aufteilung des Konzerns steht zur Debatte – das würde die Entmachtung von Vattenfall Europe bedeuten.

Die neue Struktur soll aus fünf zentral gelenkten Geschäftsbereichen bestehen: Nach Informationen aus Firmenkreisen will Vattenfall-Chef Østein Løseth den Konzern in die Bereiche Produktion, Forschung und Entwicklung, Vertrieb, Beschaffung von Brennstoffen und erneuerbare Energien aufteilen. Diese sollen dann maßgeblich aus Stockholm gesteuert werden.

Einen Zeitplan für die Umstellung gibt es noch nicht. Womöglich will Vattenfall schon am heutigen Montag die neue Strategie und Struktur bekanntgeben. Man sei aber noch in der Diskussion, hieß es im Konzern. Die bürgerliche Regierung, deren Wiederwahl wahrscheinlich ist, hat angedeutet, dass sie sich eine Teilprivatisierung von Vattenfall mit dem Staat als Hauptaktionär vorstellen könne. Die rot-rot-grüne Opposition will Vattenfall dagegen vollständig im Staatsbesitz belassen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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  • ....da habe ich langsam Angst um meinen Arbeitsplatz. Angst um Standort Deutschland. Angst um weitere Eingriffe der Politik in die Wirtschaft, bildung, Familie und Gesunheit. 10 Jahre weiter mit den Gruenen und wir sind pleite.
    Schade, dabei fing alles so gut an"Punkt"

  • Nachdem sich in Schweden nach den Wahlen die Vernunft durchgesetzt hat, wird man kaum ein Eisen im Feuer sozialistisch träumerischer Regierungen wie der deutschen belassen. Fort mit dem fossilen Kram - her mit der zentral eingekauften preiswerten Atomenergie, die sich dank bester Leitungsnetze über Europa hinaus billigst importieren läßt - aus eigenen Werken. Wenn dann die Deutschen mit ihren dilettantischen Erpressungsversuchen Ernst machen wollten, wird der Saft abgedreht und anderswo verkauft. Anders lernt die (ost-)deutsche Komikertruppe niemals, anständig zu wirtschaften.

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