Verkauf von Neuwagen bricht erneut heftig ein
Deutsche Autobauer hoffen auf US-Subventionen

Die deutsche Automobilindustrie rutscht immer tiefer in die Krise. Im September haben die Autobauer hierzulande sieben Prozent weniger Fahrzeuge verkauft. Schuld sei auch die Finanzkrise. Nun fordern die Konzerne, auch etwas von den Subventionen der US-Regierung abzubekommen.

DÜSSELDORF. Die Automobilindustrie hat erste negative Folgen der Finanzkrise auf das Verhalten potenzieller Autokäufer festgestellt. Gestern brachen die Verkaufszahlen in den USA ein, heute legt der Verband der Automobilindustrie (VDA) nach: Die Order für Neuwagen seien im September im Inland um sieben Prozent zurückgegangen. Es werde schwieriger, die Prognose von 3,2 Millionen Neuzulassungen auf dem deutschen Markt in diesem Jahr zu erreichen.

Ins dasselbe pessimistische Horn stößt das Kraftfahrt-Bundesamt: Der deutsche Automarkt bleibe ohne Schwung. Immerhin stünde für die ersten neun Monate gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres noch ein leichtes Plus von 1,3 Prozent. Das stammt allerdings aus den ersten Monaten des Jahres. Derzeit seien vor allem kleine Autos gefragt. Das Mini-Segment mit Modellen wie dem Smart Fortwo, dem Renault Twingo oder dem Fiat 500 legte überdurchschnittlich zu.

Die Kaufzurückhaltung der Kunden bestimmt auch den Autosalon in Paris, der heute für das Fachpublikum seine Pforten geöffnet hat. Viele Konzernchefs geben sich die Klinke in die Hand. Die deutschen Vertreter sprechen vor allem über den Rettungsplan der US-Regierung. US-Präsident Georg W. Bush hatte am Dienstag ein Gesetz unterzeichnet, das 25 Milliarden Dollar Kredit für die Autobauer vorsieht. Das Geld soll vor allem für die Entwicklung sparsamer Autos verwendet werden. Die US-Autobauer haben zu lange auf leistungsstarke Kleinlaster und Geländewagen gesetzt. Diese Wagen werden kaum noch gekauft.

Von diesem Kredit wollen nun auch die deutschen Autobauer einen Teil abbekommen. Daimlers Vorstandschef Dieter Zetsche fragte auf dem Pariser Autosalon provokant: "Gibt es Chancen auch für europäische Hersteller?". Falls das Geld lediglich als Finanzhilfe für die angeschlagene US-Konkurrenz gedacht sei, werde Daimler sich den Sachverhalt "genauer anschauen". Man erwägt, sich gegen mögliche Subventionen für amerikanische Konkurrenten zur Wehr zu setzen.

Zuvor hatte auch VW-Chef Martin Winterkorn gesagt, Europas größter Autobauer werde zu gegebener Zeit die Hand heben, um von den Staatshilfen für die amerikanische Autoindustrie zu profitieren. Der Konzern errichtet gerade ein Produktionswerk in Tennessee hoch und betrachtet sich damit auch als US-Hersteller.

Außerdem forderten die Autobauer das US-Repräsentantenhaus auf, die 700-Milliarden-Dollar-Hilfe für den taumelnden Finanzsektor möglichst schnell zu genehmigen. BMW-Chef Norbert Reithofer sagte dem Handelsblatt am Rande des Autosalons in Paris: „Wir brauchen das 700-Milliarden-Paket als wichtiges Signal. Das Paker wäre ein wichtiger Schritt, um wieder in ruhigere Fahrwasser zu kommen.“ BMW bekommt Finanzkrise und Konjunkturflaute bereits zu spüren: Im September verkaufte der Hersteller nach Worten von Reithofer weniger Autos als vor einem Jahr. Besonders macht den Münchnern der Einbruch auf dem US- Markt zu schaffen, der für die Bayern der wichtigste Exportmarkt ist.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c
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