Verkauf von Phoenix
Investor KKR hat Interesse an Merckle-Firma

Der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts erwägt, den Pharmagroßhändler Phoenix zu kaufen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. KKR kontrolliert die britische Drogerie- und Pharmagroßhandelsfirma Alliance Boots. Phoenix gehört zum Merckle-Firmenimperium, das im vergangenen Jahr in Finanzschwierigkeiten geraten war.

FRANKFURT. Kohlberg Kravis Roberts (KKR) setzt den Kaufpreis nach Informationen aus Finanzkreisen mit drei bis vier Mrd. Euro an. Eine solche Bewertung für Phoenix erscheint allerdings nur auf schuldenfreier Basis realistisch. Tatsächlich hat Phoenix aber etwa vier Mrd. Euro Finanzschulden. Ein Verkauf des Unternehmens gilt auch deshalb als schwierig, weil es über eine besonders komplizierte Struktur von Holding- und Verpachtungsfirmen in die Merckle-Gruppe eingebunden ist.

Über den Verkauf von Phoenix wollen Gläubiger Merckles einen Teil ihrer Forderungen eintreiben. Adolf Merckle hatte im Januar Selbstmord begangen, als sein Firmenimperium nach hohen Verlusten aus Finanzspekulationen vor der Zerschlagung stand. Erster Verkaufskandidat der Gruppe ist der Generikahersteller Ratiopharm. Geplant ist ferner der Verkauf von Anteilen an Heidelberg Cement. Der Verkauf von Phoenix wurde bisher als dritter Schritt gehandelt. Das Unternehmen wird teilweise direkt von einzelnen Mitgliedern der Familie Merckle gehalten.

Die Phoenix-Gruppe gilt operativ als gesund. Die Schulden stammen aus der Expansion in den Vorjahren und einem starken Engagement im südeuropäischen Raum, wo lange Zahlungsfristen im Pharmahandel relativ viel Kapital binden. Zudem hatte Merckle 2008 Liquidität aus der Gruppe abgezogen, um Finanzlücken bei seiner Holding VEM zu schließen. Im Zuge dieser Überbrückungsfinanzierung benötigte Phoenix frische Mittel von gut 300 Mio Euro. Phoenix setzte im Geschäftsjahr 2007/08 (31. Januar) 21,6 Mrd. Euro um. Aus kartellrechtlichen Gründen könnte KKR Sparten in Großbritannien und Italien veräußern müssen, hieß es.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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