Verkauf von Roth & Rau
Das Finale einer ostdeutschen Erfolgsgeschichte

Die Übernahme von Roth & Rau durch das Schweizer Unternehmen Meyer Burger bildet den Abschluss einer ostdeutschen Erfolgsgeschichte. Sie hat die Gründer des sächsischen Solar-Maschinenbauers zu Millionären gemacht.
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DüsseldorfIm Juni 1990, kurz vor der deutschen Wiedervereinigung, haben sich drei Wissenschaftler der Technischen Universität Chemnitz zusammengetan und den Anlagenbauer Roth & Rau gegründet. Nur wenige Tage zuvor war Karl-Marx-Stadt wieder in Chemnitz umbenannt worden. Die promovierten Physiker Dietmar Roth, seine Frau Silvia und Bernd Rau sind Spezialisten für Plasmatechnik.

Sie haben ein global aktives Unternehmen mit Sitz in Hohenstein-Ernstthal aufgebaut, das im vergangenen Jahr 285,4 Millionen Euro umgesetzt hat. Sein Exportanteil liegt bei 90 Prozent. Gefragt sind die Produkte des Solar-Maschinenbauers insbesondere in Asien. Ein Viertel der rund 1200 Beschäftigten arbeitet im Ausland.

Angefangen haben die Gründer vor bald 21 Jahren ganz bescheiden mit einem Mitarbeiter. "Die Männer saßen in einem recht hübschen Hintergebäude vor einem leeren Schreibtisch mit einem Telefon, und keiner rief an", erzählt die heutige Marketing- und Investor-Relations-Chefin Silvia Roth und lacht. Zunächst hatten Dietmar Roth und Bernd Rau noch eine halbe Stelle an der Uni, die sie aber bald aufgaben. Silvia Roth dagegen arbeitete noch bis 1992 an der Hochschule. "Einer musste die Familie ernähren." Sie und ihr Mann haben zwei Töchter, die damals drei und zehn Jahre alt waren.

Der Umsturz 1989/90 machte auch vor den Universitäten nicht halt. "Wir hatten die Alternativen, abzuwarten oder die Flucht nach vorne zu ergreifen", erinnert sich Silvia Roth. Die guten Fördermöglichkeiten für Gründer bestärkten das Bauchgefühl: "Diese Chance kommt nie wieder." Die drei sahen die Möglichkeit, ihre Idee real zu vermarkten. Dennoch gingen sie die Sache "mit einer guten Portion Blauäugigkeit" an, wie Silvia Roth rückblickend sagt. So waren Finanzierung, Marketing oder Vertrieb Neuland für die Wissenschaftler.

Den Durchbruch schaffte Roth & Rau um die Jahrtausendwende, als das damals noch sehr kleine Unternehmen einen Prozess zur Oberflächenbeschichtung von Solarzellen erfand, "der die Zellen zum Massenartikel und uns zu Pionieren beim Anlagenbau im Solarbereich machte", wie Silvia Roth sagt. "Wir haben damals die Nische erkannt und waren dann in der Lage, das Tempo der Photovoltaikindustrie mitzugehen und mitzubestimmen."

Die Grundlagen für das Verfahren lieferte die Plasma- und Ionenstrahltechnologie. Roth & Rau hatte in den 90er-Jahren begonnen, für Kunden aus der Forschung Anlagen zu bauen, die diese Technologie zur Oberflächenbearbeitung nutzen, vor allem in der Halbleiterindustrie.

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Gründer bekommen für den Verkauf Millionen

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  • Werter Herr Tino Andresen gut geschrieben allerdings heisst die Firma Wefertec und als sie damals noch Meyer/Burger geheissen hat war sie nicht gerade zimperlich mit den heuern und feuern von fleissigen Mitarbeitern, weh sie passten nicht ins konzept, hatten noch ne eigene Meinung, um die zukunft zu verstehen muss man die vergangenheit kennen. Wenn ihnSachsenring etwas sagt, der Neue Markt ihnen etwas sagt dann liegen doch Schatten auf der Firma die hier auf dicke Hose macht

  • Die Firma heisst schon einige Zeit nicht mehr so. Da gibts Firmen in Deutschland die haben weit über 100 Jahre Bestand. Der Neue Markt war doch nun wirklich bezeichnend genug um eine Blase zu erkennen dasselbe Verhalten wie damoals Rittinghaus Hurra.Kein grund in eine subvention seitens der Steuerzahler einzusteigen. Die Firma hat zu viel Schatten gerne bin ich bereit sie mit Mitarbeitern in Verbrindung zu bringen die das bestätigen können.

  • Finale oder Ende?
    Schade darum.

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