Verkauf von Scandlines ist belastet
Kartellamt mahnt Bahn-Tochter ab

Das Kartellamt hat gegen Europas größte Fährreederei Scandlines ein förmliches Missbrauchsverfahren eingeleitet. Damit erschwert die Bonner Wettbewerbsbehörde auch den geplanten Verkauf der Deutschen-Bahn-Tochter.

HAMBURG. Auslöser des Missbrauchsverfahrens ist, dass Scandlines Wettbewerbern nicht genehmigt, den Ostseehafen Puttgarden land- und seeseitig zu nutzen. Scandlines hält alle Anteile am Hafen und besitzt hier eine Monopolstellung. Die Deutsche Bahn gibt sich trotz des Verfahrens gelassen. „Es handelt sich hierbei um ein operatives Thema. Es berührt unseres Erachtens nicht den Verkauf von Scandlines“, sagte ein Bahn-Sprecher.

Puttgarden ist der wichtigste Eckpfeiler von Europas größter Fährreederei. Denn im Verkehr zwischen dem Hafen auf der Ostseeinsel Fehmarn und dem dänischen Rødby erzielt die Gesellschaft mehr als die Hälfte ihres Umsatzes von rund 530 Mill. Euro. Muss Scandlines die Nutzung von Puttgarden für Wettbewerber öffnen, dürfte die Bahn-Tochter künftig empfindliche Umsatzeinbußen erleiden, heißt es in Firmenkreisen.

Scandlines gehört zu gleichen Teilen der Deutschen Bahn und dem dänischen Staat. Die Eigentümer wollen sich von ihren Anteilen trennen, da sie sich in den vergangenen Jahren auf kein gemeinsames Unternehmenskonzept einigen konnten. Geplant ist der Verkauf im zweiten Halbjahr 2006. Für den Verkauf haben die Eigentümer die Bank Rothschild sowie Morgan Stanley beauftragt.

Sollte das Kartellamt mit seiner Beschwerde durchkommen, dürfte die Veräußerung der Fährreederei aber weniger Geld in die Konzernkasse der Bahn spülen. Bislang hoffen die beiden Eigentümer insgesamt auf eine Summe zwischen einer und 1,2 Mrd. Euro. Doch viele Interessenten fordern bereits einen Preisabschlag von 300 bis 400 Mill. Euro, sollte Scandlines die Infrastruktur des Ostseehafens für Konkurrenten öffnen müssen, heißt es in Firmenkreisen.

Nach einer ersten Bieterrunde ist die Zahl der Interessenten von 20 auf sechs geschrumpft. Noch im Rennen sind unter anderem ein Konsortium um die Deutsche Seereederei (DSR) in Rostock und Allianz Capital Partners sowie die Stena Linie, DFDS und Maersk Norfolkline, heißt es in Bahn-Kreisen.

Denkbar ist, dass die Zahl der Interessenten weiter schrumpft. Denn die Erfolgsaussichten der Beschwerde des Kartellamts gegen Scandlines sind hoch. Bereits 1999 sind die Bonner Wettbewerbshüter in gleicher Angelegenheit aktiv geworden. Scandlines war daraufhin vor Gericht gezogen und hatte des Verfahren über mehrere Instanzen verfolgt. Am Ende aber hat das Gericht die Entscheidung im Sinne des Kartellamts nicht bestätigt, weil der Beschwerdeführer zwischenzeitlich Insolvenz anmeldete.

Rückendeckung bekommt Scandlines wiederum vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). „Es handelt sich bei Puttgarden um einen Hafen in privater Hand. Es ist die Entscheidung von Scandlines, ob sie ihn für Wettbewerber öffnet“, sagt Ulrich Bauermeister, zuständig für Ostseehäfen im ZDS. Unklar ist allerdings, ob die Anbindung zum Hafen Puttgarden Wettbewerbern geöffnet und damit öffentlich ausgeschrieben werden müsste.

Auch Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dietrich Austermann stützt die Bahn-Tochter: „Dass das Kartellamt eine Untersuchung einleitet, ist nicht überraschend. Es bedeutet aber nicht, dass der Vorwurf begründet ist“, sagte Austermann dem Handelsblatt. Er geht davon aus, dass sich die rechtliche Lange nach einem Eigentümerwechsel möglicherweise ändere. Ob die Fährreederei rechtliche Schritte einleitet, ist noch unklar. Sie will mit Rücksicht auf das laufende Verfahren keine Stellungnahme abgeben. Das dänische Transportministerium war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Fährreederei ist 1998 aus der Fusion der dänischen Scandlines und der Deutschen Fährgesellschaft Ostsee (DFO) hervorgegangen. Das Unternehmen betreibt zwölf Fährlinien mit 25 Schiffen im Dreieck zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden. Die Rostocker Gesellschaft beschäftigt mehr als 2



600 Mitarbeiter.

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