Verkauf von Stahlwerken
Thyssen-Krupp erwartet zu viel

So ganz ohne weiteres wird Thyssen-Krupp den angepeilten Preis für seine beiden Stahlwerke nicht erreichen können. Da sind Insider sich sicher. Nur Kooperationen und Abnahmegarantien könnten das Geschäft retten.
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FrankfurtSieben Milliarden Euro will Thyssen-Krupp -Chef Heinrich Hiesinger mit dem Verkauf der Stahlwerke in Brasilien und den USA einnehmen. Doch um diesen Preis auch nur annähernd zu erzielen, wird der Düsseldorfer Konzern Zugeständnisse an den oder die Käufer machen müssen, sind sich mit den Verhandlungen vertraute Banker sicher.

"Thyssen wird ihnen Kooperationen anbieten und Abnahmegarantien für eine bestimmte Menge Stahl", sagt einer von ihnen. Auch ein Ausgleich für künftige Verluste sei möglich, sagt ein anderer. "Man wird es so einfädeln, dass man den echten Kaufpreis möglichst nicht sehen kann", sagt ein Investmentbanker. Das Unternehmen wollte sich am Dienstag nicht zum Stand der Gespräche äußern.

Thyssen hatte im Mai angekündigt, für die beiden modernen Werke alle strategischen Optionen zu prüfen - einschließlich eines Verkaufs oder einer Partnerschaft. Der Konzern will seine Schulden reduzieren und sich auf das Kerngeschäft in Europa konzentrieren. Bis zu zwölf Milliarden Euro hatte Thyssen in die Werke investiert, doch sie schreiben Verluste. Hiesinger hatte auf mehr als zehn Interessenten verwiesen.

Nun sind die ersten, unverbindlichen Gebote Bankern zufolge Ende der Woche fällig, sechs bis acht Wochen später die endgültigen Offerten - aber das könnte sich länger hinziehen. Die mit dem Verkauf beauftragten Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley dürften warten, bis sie wenigstens zwei bis drei Bieter finden, um den Wettbewerb aufrecht zu erhalten.

Denn die ersten Angebote werden enttäuschend ausfallen, da sind Insider sicher. "Es ist schwer, den Wert einen Geschäfts zu errechnen, das im Jahr eine Milliarde Euro verliert", sagte ein US-Banker, der nicht genannt werden wollte. Das schwäche die Verhandlungsposition von Thyssen-Krupp. Drei bis vier Milliarden Euro könnten die beiden Werke wert sein, meinen mehrere Banker. Die Analysten der UBS haben ihn sogar nur auf drei Milliarden Euro beziffert.

Ihren Hut in den Ring werfen werden nach Informationen aus Verhandlungskreisen Weltmarktführer Arcelor Mittal, U.S. Steel, die südkoreanische Posco, Nippon Steel aus Japan und die chinesische Baosteel. Nach einem Bericht der brasilianischen Wirtschaftszeitung "Valor Economico" erwägt auch der einheimische Stahlhersteller CSN eine Offerte für das brandneue Werk in Brasilien, das allein eine Kapazität von fünf Millionen Tonnen Stahlbrammen im Jahr hat. Andere Namen, die genannt werden, sind JFE aus Japan, Nucor und AK Steel. Doch dass einer von ihnen letztlich allein bieten wird, ist unwahrscheinlich - auch wenn sich noch keine Konsortien zusammengetan haben.

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