Verkaufsboom: Deutsche Autobauer legen in den USA kräftig zu

Verkaufsboom
Deutsche Autobauer legen in den USA kräftig zu

Für Volkswagen beginnt das Jahr 2012 auf dem wichtigen US-Automarkt so gut wie das Jahr 2011 geendet hatte. Die Verkäufe boomen. Und auch die meisten anderen deutschen Hersteller sind flott unterwegs.
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DetroitVolkswagen braust der Konkurrenz in den Vereinigten Staaten davon. Im Januar verkauften die Wolfsburger auf dem wichtigen Automarkt so viele Wagen wie seit 38 Jahren nicht mehr zu dieser Jahreszeit. Dagegen tat sich Branchenprimus General Motors schwer, die Kunden zum Kaufen zu bewegen. Der Absatz des Erzrivalen schrumpfte überraschend.

VW wurde 27.200 Autos seiner Stammmarke los, anderthalb mal so viel wie im Vorjahresmonat. „Unsere Wachstumsstrategie geht auf“, sagte Nordamerika-Chef Jonathan Browning am Mittwoch. Der deutsche Konzern hatte seine neuen Modelle auf den Geschmack der US-Kundschaft abgestimmt. Dazu senkte VW die Basispreise und sorgte mit einfallsreicher Werbung für Aufsehen, wie etwa beim Super Bowl, dem Finale der American-Football-Profiliga und wichtigstem Sportereignis der USA.

Die Wolfsburger stampften in Chattanooga im Bundesstaat Tennessee sogar ein komplett neues Werk aus dem Boden, in dem der US-Passat gefertigt wird, der größer ist als sein europäischer Namensvetter. Angesichts des reißenden Absatzes steigert VW nun die Produktion und stockt dazu die Mannschaft um 200 Leute auf. Momentan arbeiten in der Fabrik rund 2500 Menschen.

Der Konzern prüft unterdessen auch den Bau eines Werkes in Algerien. Es würden Gespräche hierzu geführt, hieß es am Donnerstag aus der Unternehmenszentrale in Wolfsburg. Einen konkreten Beschluss gebe es allerdings noch nicht, betonte ein Sprecher: „Volkswagen ist grundsätzlich immer an neuen Marktchancen in aller Welt interessiert, das gilt auch für Afrika. Wir haben aber noch keinerlei Entscheidungen getroffen.“

Die staatliche algerische Nachrichtenagentur APS hatte berichtet, dass die Verhandlungen zwischen VW und der algerischen Regierung über einen möglichen Werksbau vorankämen. Dabei werde auch geprüft, ob sich Zulieferer aus dem nordafrikanischen Land an dem Projekt beteiligen könnten. Eine größere Investition in Algerien sei zudem im Interesse des VW-Großaktionärs Katar.

Der französische Konkurrent Renault stehe dagegen bereits kurz davor, eine Absichtserklärung zur Einrichtung eines Standorts mit der Regierung in Algier zu schließen. Bislang ist VW auf dem Kontinent nur in Südafrika mit einer eigenen Fertigung vertreten. Im VW-Werk Uitenhage arbeiten nach Konzernangaben derzeit rund 5600 Beschäftigte.

Auch die meisten anderen Autobauer haben gut zu tun, wenngleich VW mit seinem Wachstumstempo hervorsticht. Die US-Amerikaner sind in Kauflaune, seit die heimische Wirtschaft anzieht und die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Da die Autos auf den US-Straßen im Schnitt mittlerweile bereits elf Jahre auf dem Buckel haben, müssen sich auch immer mehr Verbraucher neue Fahrzeuge zulegen. So konnte Chrysler seine Verkäufe im Januar um 44 Prozent hochschrauben auf den besten Wert seit 2008, Ford legte um sieben Prozent zu.

Dagegen verlor der US-Branchenprimus GM an Boden: Die Opel-Mutter musste zu Jahresbeginn auf ihrem Heimatmarkt einen Absatzrückgang um sechs Prozent hinnehmen. Dennoch übte sich US-Verkaufschef Don Johnson in Zuversicht: „Das Jahr ist stark gestartet.“ Mit knapp 168.000 Autos liegt der Opel-Mutterkonzern auf seinem Heimatmarkt tatsächlich meilenweit vor VW. Die Wolfsburger schließen allerdings zu den starken asiatischen Wettbewerbern auf.

Auch die deutschen Premiumhersteller konnten ihre Verkäufe teils deutlich steigern. Die VW-Tochter Audi legte um 20 Prozent zu, Mercedes-Benz bei seinen Nobelkarossen um 24 Prozent, Porsche noch um sechs Prozent. BMW fiel indes ab und schaffte nur ein Plus von drei Prozent. Die Münchener hoffen nun, dass die Mitte des Monats erscheinende neue 3er-Baureihe das Geschäft wieder antreibt. Da der Mini um über 21 Prozent zulegte, stand für den Konzern ein Plus von knapp sechs Prozent zu Buche.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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