Industrie

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Verkaufspreis für Pharmasparte gestiegen: Altana beschenkt Aktionäre noch großzügiger

Um die Aktionäre zur Zustimmung zum Verkauf der Pharmasparte zu locken, hat Altana eine noch höhere Dividende als bisher versprochen. Denn beim Verkauf der Pharmasparte kam plötzlich etwas mehr Geld für Altana herum als erwartet.

HB FRANKFURT/MAIN. Die Aufspaltung des Bad Homburger Pharma- und Chemiekonzerns Altana rückt in greifbare Nähe. Konzernchef Nikolaus Schweickart warb am Dienstag bei den Aktionären für den Verkauf der Pharmasparte an den dänischen Arzneimittelhersteller Nycomed. Für ein mittelgroßes Unternehmen wie Altana seien die steigenden Forschungskosten mittel- und langfristig nicht allein zu schultern, sagte Schweickart bei einer außerordentlichen Hauptversammlung in Frankfurt. Zudem gefährde die Gesundheitspolitik in Deutschland die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Die Veräußerung an Nycomed sei sowohl vom strategischen Konzept als auch vom Kaufpreis her die beste Lösung.

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Der Verkaufspreis für die Pharmasparte wird nach Angaben von Schweickart um 100 Mill. Euro höher ausfallen als erwartet und 4,6 Mrd. Euro erreichen. Der Veräußerungsgewinn werde zwischen 4,3 und 4,4 Mrd. Euro liegen und vollständig an die Aktionäre ausgeschüttet. Der um 100 Millionen Euro höher als ursprünglich ausgefallene Verkaufspreis ergibt sich daraus, dass Altana Pharma mehr Betriebsmittel in seinen Werken auf Lager hatte, als erwartet. „Der erzielte Kaufpreis für das Pharmageschäft von rund 4,6 Milliarden Euro bei einem Buchwert von 160 Millionen Euro ist angemessen und gut“, sagte Schweickart vor den rund 1000 anwesenden Aktionären.

Sie sollen bei der regulären Hauptversammlung im Mai 2007 eine Sonderdividende von 32 Euro pro Aktie bekommen. Zudem soll die reguläre Dividende von 1,10 auf 1,30 Euro erhöht werden. Mehrheitsaktionärin ist die Quandt-Erbin Susanne Klatten mit 50,1 Prozent. Dem Verkauf an Nycomed müssen 75 Prozent des anwesenden Kapitals zustimmen. Die Entscheidung könnte sich je nach Zahl der Wortmeldungen bis Mittwoch hinziehen.

Aktionärsschützer kritisierten vor allem den ihrer Ansicht nach zu niedrigen Verkaufspreis. Wolfgang Kirn von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger SdK sagte, er habe gehofft, dass Altana Pharma mit einem deutlichen Aufschlag verkauft werde. „Wir stimmen zwar dem Verkauf zu, aber nicht weil wir glauben, dass ein Verkauf notwendig war, sondern nur, um weiteren Schaden von den Aktionären abzuwenden“, sagte Kirn. Markus Hoffmann von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) warf dem Vorstand vor, in der Vergangenheit zu wenig in die Pharmasparte investiert zu haben. „Man hätte aus unserer Sicht sehr viel stärker darauf achten können, dass ein Nachfolgeprodukt die erwarteten Umsatzausfälle von Pantoprazol zum Ende des Jahrzehnts auffängt.“

Das Patent für das Magenmittel Pantoprazol, das seit Jahren für stabile Milliardenumsätze sorgt, läuft in den Jahren 2009/10 aus. „Der großartige Erfolg von Pantoprazol hat uns, wenn Sie so wollen, gleichzeitig ein großes Problem beschert: Nämlich einen Produktnachschub in ähnlicher Dimension rechtzeitig und nahtlos zur Verfügung stellen zu können“, sagte Schweickart. In jüngster Zeit gab es mehrere Rückschläge bei der Entwicklung neuer Atemwegsmedikamente. Deshalb werde sich eine „Umsatz- und Ertragslücke öffnen, die mit dem Produktnachschub aus der eigenen Forschung nicht zeitgleich geschlossen werden kann“, sagte Schweickart. Gemeinsam mit Nycomed könne Altana Pharma das Risikoprofil besser ausbalancieren und das gemeinsame Unternehmen auf eine breitere Produktbasis stellen.

Der Vollzug der Transaktion ist am 29. Dezember vorgesehen, der wirtschaftliche Übergang zum Jahreswechsel. Die europäischen und US-amerikanischen Kartellbehörden haben die Übernahme bereits ohne Auflagen genehmigt. Der Name und die Marke Altana verbleiben bei der Altana AG, die unter diesem Namen ihre Geschäftstätigkeit als börsennotiertes Spezialchemieunternehmen fortsetzen wird. Das Chemiegeschäft habe alle Voraussetzungen in sich, um die Erfolgsgeschichte der Altana in die Zukunft fortzuschreiben, sagte Schweickart, der 2007 in Ruhestand gehen wird.

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