Verkaufsprozess: Rätsel um die Aufteilung des Merckle-Imperiums

Verkaufsprozess
Rätsel um die Aufteilung des Merckle-Imperiums

Das Merckle-Imperium wird zerbrechen, die Frage ist nur noch wie schnell und auf welche Weise. Ratiopharm muss veräußert werden. Die Mitarbeiter zittern um ihre Zukunft. Aber offenbar herrscht beim Verkauf keine Eile.

HB ULM. Nach der Einigung mit den Gläubigerbanken muss als nächster Schritt innerhalb des Rettungspakets der Merckle-Gruppe der Verkauf des Ulmer Generika-Herstellers Ratiopharm organisiert werden. Nur unter dieser Bedingung wollten die rund 30 Banken den rettenden Überbrückungskredit gewähren. Allerdings soll das Pharmaunternehmen wegen des derzeit ungünstigen Marktumfeldes noch nicht in diesem Jahr veräußert werden, hieß es aus Unternehmenskreisen. Als Käufer käme etwa ein Pharmaproduzent aus dem Ausland in Betracht, der sich im deutschen Markt verstärken will.

In der Vergangenheit wurden als Interessenten die israelische Teva Pharmaceuticals, der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis, der amerikanische Generikahersteller Watson, GlaxoSmithKline und der drittgrößte japanische Pharmakonzern Daiichi-Sankyo gehandelt. Allerdings sei nach ersten Gesprächen über eine Komplettübernahme von Ratiopharm für Teva die Produktion und für Sanofi-Aventis der Vertrieb uninteressant gewesen, hieß es bereits Anfang Dezember.

Die zu Merckle gehörende VEM Vermögensverwaltung hatte mit den rund 30 Gläubigerbanken am Mittwoch beschlossen, das undurchsichtige Firmengeflecht zu zerschlagen. Damit wurden die finanziell ins Straucheln geratenen Unternehmen zwei Tage nach dem Selbstmord von Adolf Merckle gerettet.

Neben dem Verkauf Ratiopharms ist auch eine Veräußerung der Merckle-Anteile am Baustoffhersteller Heidelberg Cement noch nicht vom Tisch. „Das ist Teil des gesamten Sanierungskonzeptes“, sagte ein Sprecher von Merckles VEM Vermögensverwaltung am Donnerstag in Ulm. Allerdings sei dies nicht Bedingung für den Erhalt des dringend benötigten Überbrückungskredits gewesen. Am Mittwoch hatten sich die rund 30 Gläubigerbanken mit der Merckle-Gruppe zwei Tage nach der Selbsttötung des Unternehmers Adolf Merckle auf den ratiopharm-Verkauf und damit auf eine Zerschlagung des Firmengeflechts geeinigt.

Merckle hatte sich am Montag das Leben genommen, nachdem er die Einigung mit den Banken noch selbst unterschrieben hatte. Seiner Familie zufolge hatte er es nicht verkraftet, die Kontrolle über sein Firmenimperium zu verlieren. Er hatte sich zudem lange gegen den Verkauf von Ratiopharm gesträubt, da er angesichts der Finanzkrise keinen Erlös erwartete, der dem Unternehmenswert entspricht.

Als weiterer Schritt im Rettungspaket soll die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in den nächsten drei Monaten ein Gutachten erstellen. Auf dessen Basis soll ein langfristiger Sanierungsplan für die Merckle-Unternehmen beschlossen werden. Dazu gehören neben Ratiopharm und Heidelberg Cement auch der Pharmagroßhändler Phoenix sowie rund 100 weitere Unternehmen.

Eine weitere Bedingung der Banken für den Überbrückungskredit ist, dass der Einfluss der Familie beschnitten wird. Adolf Merckles Sohn Ludwig wird sich aus der Gruppe zurückziehen. Nach dem Selbstmord des Firmenpatriarchen war sein Sohn Ludwig gemeinsam mit Ratiopharm - Finanzchefin Susanne Frieß Geschäftsführer der VEM.

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