Verkaufsverhandlungen
Schaulaufen bei Saab und Volvo

Die Verhandlungen um die schwedischen Autohersteller Saab und Volvo gehen in die letzte Runde: Mutterkonzern General Motors (GM) spricht derzeit mit mindestens zwei Interessenten über den Verkauf oder den Teilverkauf von Saab. Bei Ford-Tochter Volvo stehen sogar drei Interessenten vor der Tür. Es geht um die Existenz der Kultmarken.
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STOCKHOLM. Nach dem in letzter Sekunde geplatzten Verkauf von Saab an den kleinen schwedischen Sportwagenhersteller Koenigsegg hat GM nach unbestätigten Meldungen Verhandlungen mit dem chinesischen Autohersteller BAIC über einen Teilverkauf von Saab-Produktionsanlagen eingeleitet. Für eine Teilung von Saab spricht auch die Bildung von fünf Aktiengesellschaften, in die die Saab-Bereiche Getriebe, Einzelkomponenten, Eigentum, Werkzeuge und Investitionen eingehen. Ein Saab-Sprecher dementierte allerdings gestern, dass die Aufteilung von Saab in fünf Einzelgesellschaften eine Vorbereitung zur Zerschlagung des Pkw-Herstellers sei.

BAIC soll an der Übernahme der Produktionsanlagen für die alten Modelle Saab 9-3 und 9-5 interessiert sein. BAIC hat über einen Konzernsprecher deutlich gemacht, dass das Unternehmen kein Interesse an der Fabrik im westschwedischen Trollhättan habe.

GM hatte Saab vor zwei Wochen noch eine Galgenfrist bis zum 31. Dezember gegeben. Bis zu diesem Zeitpunkt werde man entscheiden, ob der seit fast 20 Jahren verlustreiche schwedische Pkw-Hersteller stillgelegt wird, oder ob man ihn an einen seriösen Interessenten verkaufen kann, gab Detroit bekannt. Derzeit haben der kleine niederländische Sportwagenhersteller Spyker und die amerikanische Investmentgesellschaft Renco Group Interesse an einer Saab-Übernahme bekundet.

Die schwedische Wirtschaftsministerin Maud Olofsson bekräftigte gestern während eines Besuchs bei Saab in Trollhättan noch einmal, dass der schwedische Staat allenfalls Kreditbürgschaften übernehmen könne. Einen staatlichen Einstieg in das angeschlagene Unternehmen schloss sie erneut kategorisch aus. Dagegen versprach sie, den rund 3 400 Saab-Mitarbeitern bei einer eventuellen Schließung des Werks mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu helfen.

Besser sieht es für den Saab-Konkurrenten Volvo aus: Der Mutterkonzern Ford hat mit dem chinesischen Autobauer Geely bereits einen "bevorzugten Bieter" auserkoren. Die Chinesen wollen für Volvo angeblich rund zwei Mrd. Dollar bieten. Da die Verhandlungen aber bislang nicht zu einem Abschluss gekommen sind, haben zwei Konsortien ebenfalls Interesse an einer Volvo-Übernahme bekundet: Schon vor zwei Monaten erklärte das US-Konsortium Crown rund um den ehemaligen Ford-Manager Michael Dingman sein Interesse an Volvo. Bereits im Sommer dieses Jahres hatte sich ein schwedisches Konsortium unter dem Namen Jakob AB gebildet. Die auf Initiative der schwedischen Technikergewerkschaft gebildete Gruppe will zusammen mit namentlich nicht genannten in- und ausländischen Investoren Ford ebenfalls ein konkretes Übernahmeangebot für Volvo unterbreiten, falls der Mutterkonzern Interesse daran zeigt, sagte ein Jakob-Sprecher gestern in Göteborg, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Ford hatte vor einem Jahr angekündigt, sich mittelfristig von Volvo zu trennen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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