Verkaufszahlen
Toyota vs Volkswagen

Toyota hat bis Ende September weltweit 7,49 Millionen Autos verkauft - damit verdrängt der japanische Autohersteller Volkswagen von Platz eins (7,43 Millionen). Ist daran wirklich der Abgas-Skandal schuld?

New YorkViele Medien bringen den erneuten Wachwechsel mit VWs Dieselgate in Zusammenhang. Dabei hat der Skandal noch gar keine Auswirkung auf die Verkaufszahlen haben können, weil VWs Lügenauto erst im Oktober aufflog.

Mit VW ging es schon vorher bergab. Dies hat auch mit VWs starker Abhängigkeit vom chinesischen Markt zu tun. Der Markt dort schwächelt, und die Wolfsburger schwächeln mit, besonders weil sie den derzeitigen SUV-Boom verpennt haben. Und im einzigen Markt, über dem die Sonne scheint, den USA, bekam Deutschlands Branchenprimus schon vor dem Imageschaden kaum Gummi auf die Straße.
Der Kampf mit dem Skandal könnte allerdings den Abstand auf Toyota in der Zukunft noch vergrößern. Der globale Absatz der Japaner ist zwar in den ersten neun Monaten auch gesunken. Aber die Experten gehen davon aus, dass der nun wieder größte Hersteller der Welt in diesem Jahr dennoch einen neuen Rekordgewinn und damit eine Gewinnmarge von über zehn Prozent einfahren wird.

Zudem könnten die Japaner zu den Profiteuren Diesel-Desasters zählen. Es werde zwar keine absoluten Sieger von VWs Malaise geben, weil das wahrscheinliche Resultat schärfere Abgaskontrollen und -Vorschriften der Regierungen sein werden, urteilt Kurt Sanger, Autoanalyst von der Deutschen Bank in Japan.

"Der einzige relative Sieger, den wir sehen, ist Toyota", so der Analyst. Und zwar nur in einem Fall: Sollten die Kunden in Europa Hybridautos künftig den Vorzug einräumen, ist Toyota der einzige Hersteller mit einem Vollsortiment vom Kleinwagen bis zum Luxusboliden.
Darüber hinaus drohen die finanziellen Einbußen jeden möglichen Vorwärtsdrang der Wolfsburger zu bremsen. Doch teurer als der finanzielle könnte der personelle Aderlass VW zu stehen kommen.

Nachdem die erste Rücktrittswelle den Vorstand ausgedünnt hat, beginnt der Besen jetzt durch die zweite Reihe zu fegen, wie die Opferliste der "Suspendierten" zeigt, die der Autoblogs Daily Kanban des ehemaligen VW-Intimus' Bertel Schmitt führt. Ist die Auskehr groß genug, könnte das VWs Entwicklungstempo verlangsamen, warnt Schmitt. Denn in Massen ist Personal schwer ersetzbar.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent
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