Verkehrstechnik löst sich aus ihrer Abhängigkeit von der Deutschen Bahn
Bahnindustrie rettet sich in den Export

Die deutsche Bahnindustrie sieht in Deutschland wieder magere Jahre kommen. Zwar ist sie noch gut mit fetten Auftragspolstern ausgestattet, aber der drastische Sparkurs der Deutschen Bahn, die bis 2005 ihre Kapitalmarktfähigkeit als Basis für den Börsengang erreichen will, lässt das Inlandsgeschäft schrumpfen. Die großen Hersteller und ihre Zulieferer erwarten dadurch jedoch keine katastrophalen Einbrüche wie Ende der 90er-Jahre. Sie sind durch ein gutes Exportgeschäft abgesichert.

DÜSSELDORF. „Die Investitionsbereitschaft der Bahn wird offensichtlich geringer“, beobachtet Michael Clausecker, Geschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland (VDB). „Doch die Industrie ist glücklich, dass sie möglicherweise ausfallende Aufträge zum Teil durch den Export kompensieren kann.“

Siemens Transportation ist dabei erster Sieger: 70 % des Bahntechnikgeschäfts mit 4,4 Mrd. Euro Umsatz im letzten Jahr werden nach Aussage von Dietrich G. Möller, im Unternehmen Chef des Geschäftsgebiets „Triebzüge“, bereits im Ausland abgewickelt: „Wir haben Anfang der 90er- Jahre gesehen, dass das Geschäft allein mit der Deutschen Bahn nicht zu machen ist.“

Auch der Wettbewerber Alstom verkauft die bei seinem Waggonbauer Alstom LHB in Salzgitter gebauten Züge vorwiegend ins Ausland. 60 % des aktuellen Auftragsbestands von 1,65 Mrd. Euro kommen laut LHB-Chef Hans-Jürgen Jabs aus dem Ausland: „Wir sind insgesamt internationaler geworden.“

Branchenführer Bombardier Transportation erzielt ein Drittel des Umsatzes der deutschen Werke – insgesamt 1,9 Mrd. Euro – mit Exporten. Und das, obwohl der kanadische Konzern praktisch überall in den Nachbarstaaten in eigenen Fabriken produzieren kann, betont Deutschland-Chef Klaus Baur: „Mit einem dichten Netzwerk von Produktionsstandorten in 16 Ländern Europas ist Bombardier sehr nah an seinen Kunden.“

Der Erfolg im Ausland liegt zum großen Teil an den guten Konditionen der deutschen Anbieter, sagt Verbandsmann Clausecker: „Der extreme Wettbewerb um die Aufträge der Deutschen Bahn hat zu einem drastisch gesunkenen Preisniveau geführt.“ Das habe zwar Ende der 90erJahre zu einer „Blutspur“ in den Bilanzen der Systemhäuser geführt. Doch heute seien die Bahntechnik-Produkte des Standorts Deutschland auf allen Märkten wettbewerbsfähig. Der Preis einer Hochleistungselektrolok sei beispielsweise um 50 Prozent gesunken.

Langfristige Kundenbeziehungen

Siemens ist besonders stolz auf den Einstieg in den britischen Bahnmarkt. Jenseits des Kanals haben die Deutschen kein eigenes Werk – anders als Bombardier und Alstom. „Deutsche Qualität“, sagt Triebzug- Verkäufer Möller selbstbewusst, „kommt bei den britischen Betreibern gut an.“ Eher behutsam habe man den Markt aufgerollt. Einstieg war der „Heathrow Express“ mit 14 Triebzügen für die komfortable Verbindung zwischen dem Londoner Flughafen und der City.

Dem folgten größere Aufträge über Nahverkehrs- und Intercitytriebzüge. Dabei konnte Siemens langfristige Kundenbeziehungen aufbauen: Vielfach liefert der Konzern nicht nur die Fahrzeuge, sondern er übernimmt auch den technischen Service. „50 Prozent des Erfolgs liegen im Wartungsgeschäft“, sagt Möller.

Der bislang größte Auftrag kommt von der Leasinggesellschaft Angel Trains. Das Unternehmen, hinter dem die Royal Bank of Scotland steht, orderte kürzlich Regionaltriebzüge im Wert von 2,5 Mrd. Euro. Siemens rechnet sich auch gute Chancen aus, neue Hochgeschwindigkeitszüge für Großbritannien zu entwickeln. Basis soll das hauseigene Triebzugkonzept „Venturio“ sein, ein naher Verwandter des deutschen Neigetechnik-ICEs.

Alstom LHB erschloss sich in den letzten Jahren verstärkt den skandinavischen Markt. Neben einem seit 1996 laufenden Großauftrag über 120 S-Bahn-Züge für Kopenhagen, an dem Siemens als Juniorpartner beteiligt ist, freut sich Geschäftsführer Jabs über zwei Großaufträge in Schweden.

Bombardier exportiert Elektroloks weltweit und ostdeutsche Doppelstockwagen u. a. nach Israel. Doch auch im Inland schwinde die Abhängigkeit vom Kunden Deutsche Bahn, betont ein Sprecher: „Die DB ist nur noch zu einem Drittel an unserem Geschäft beteiligt. Ein weiteres Drittel des Deutschlandumsatzes machen wir bereits mit der wachsenden Zahl der regionalen und privaten Bahnbetreiber, die neben der DB antreten.“

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