Verlängerung
Abwrackprämie ist wohl noch vor der Wahl aufgebraucht

Die Abwrackprämie bleibt weiterhin so gefragt, dass der eingeplante Fördertopf wohl nicht bis zur Bundestagswahl reichen wird. Politiker fordern bereits eine Verlängerung der Prämie - Autoverbände sind dagegen. Die Branche fürchtet ein tiefes Absatzloch.

FRANKFURT/BERLIN. Hält der Sturm auf die Abwrackprämie an, könnte der Geldtopf für die Fördermittel schon im September leer sein. Erste Politiker wie der saarländische SPD-Vorsitzende und Wahlkämpfer Heiko Maas fordern deshalb bereits eine weitere Verlängerung. Doch die Branche reagiert skeptisch. Der Präsident des Automobilverbands VDA, Matthias Wissmann, will sich nicht für eine Aufstockung der Bundesmittel in Berlin einsetzen. Auch der Zentralverband des Deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK) warnte die Regierung vor einer erneuten Aufstockung der Fördersumme.

"Wir fordern keine Verlängerung", sagte ZdK-Verbandssprecher Helmut Blümer. Eine weitere Aufstockung der Fördermittel würde das Absatzloch auf dem deutschen Markt im Jahr 2010 noch größer machen, warnte er. Auch der Verkehrsclub Deutschland kritisierte den Vorschlag scharf, die Prämie zu verlängern. Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Jochen Homann, hatte bereits am vergangenen Freitag auf der Handelsblatt-Autotagung betont, dass die Prämie unwiderruflich Ende des Jahres auslaufen werde und die Industrie sich auf die Zeit danach vorbereiten müsse.

Nach Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn reichen die bereitgestellten Mittel für die Abwrackprämie noch für rund 283 000 Fahrzeugkäufe. An jedem Werktag gingen 7 000 bis 8 000 Neuanträge auf die Prämie ein, sagte ein Bafa-Sprecher gestern.

Damit könnte rein rechnerisch noch vor der Bundestagswahl am 27. September der Topf leer sein. Der Sprecher des Bundesamtes betonte aber, dass es nicht absehbar sei, ob die Nachfrage auf einem ähnlich hohen Niveau bleibt: "Man kann keine seriöse Vorhersage treffen, wann die Mittel ausgeschöpft sind." Neuwagenkäufer bekommen derzeit eine Prämie vom Staat, wenn sie einen mindestens neun Jahre alten Wagen in die Schrottpresse geben. Die Prämienmittel waren bereits im Frühjahr einmal aufgestockt worden.

Die Regierung hat einen Betrag von insgesamt fünf Mrd. Euro bereitgestellt, um der unter Absatzeinbrüchen leidenden Autobranche unter die Arme zu greifen. Der Betrag reicht für knapp zwei Mio. Prämien. Im laufenden Jahr beschert die Prämie den Autoherstellern auf dem deutschen Markt deshalb gute Geschäfte: Der Absatz steigt in Deutschland vermutlich auf ein Zehnjahreshoch. Für dieses Jahr rechnet die Branche mit einem Spitzenabsatz von 3,5 Millionen Neuwagen - 600 000 mehr als noch Ende 2008 erwartet. Das erklärte der der VDA Ende vergangener Woche. Doch Experten warnen eindringlich vor dem Ende des Booms. Nächstes Jahr droht nach Ansicht von Branchenkennern wegen des Auslaufens der Förderung ein harter Absturz.

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sagte, er halte es für möglich, dass der Topf bis Anfang September ausgeschöpft ist. Erst vor acht bis zehn Tagen sei die Zahl der Neuanträge pro Tag wieder gestiegen. Es könne sein, dass sich unter Kaufinteressenten eine "Endzeitstimmung" breitmache - aus Angst, bei der Prämie nicht mehr zum Zug zu kommen.

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