Verlangsamte Weltkonjunktur
Maschinenbauer sehen sich vor mageren Zeiten

Die lange erfolgsverwöhnten deutschen Maschinenbauer haben den zweiten Monat in Folge einen Rückgang bei den Auftragseingängen verbucht. Die Branche sieht sich vor dem Ende des Booms. Welche Bereiche bislang die größten Einbußen hinnehmen mussten.

HB DÜSSELDORF. Die deutschen Maschinenbauer rechnen nach dem Boom der vergangenen Jahre mit magereren Zeiten. „Wir haben noch ein gutes Auftragspolster, wir stellen uns aber auf ein schwächeres Wachstum ein“, sagte der Chefvolkswirt des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Ralph Wiechers, am Mittwoch. Den zweiten Monat in Folge verbuchte die als Rückgrat der deutschen Wirtschaft geltende Branche im Juni einen Rückgang bei den Bestellungen. Die schwächelnde Weltwirtschaft, der hohe Eurokurs und steigende Rohstoffkosten machen den Herstellern von Maschinen „Made in Germany“ immer mehr zu schaffen.

Wiechers sprach von einer „Rückkehr zur Normalität“, da es in dem zyklischen Geschäft nicht immer weiter nach oben gehen könne. Die Orders lagen im Juni fünf Prozent unter dem Vorjahresmonat. Während die Aufträge aus dem Ausland um sieben Prozent zurückgegangen seien, sei die Inlandsnachfrage um ein Prozent gestiegen. Die Halbjahresbilanz falle mit einem Orderplus von vier Prozent allerdings weiter positiv aus.

„Ich sehe keinen Anlass, unsere Prognose zu ändern“, betonte der VDMA-Chefvolkswirt. Der Verband, der Firmen mit insgesamt 950 000 Mitarbeitern vertritt, erwarte für 2008 weiter eine Steigerung des Produktionsvolumens um fünf Prozent auf rund 190 Mrd. Euro. Von Januar bis Mai sei die Produktion um 8,4 Prozent gestiegen. Die Auslastung liege bei über 91 Prozent. Die Branche hatte nach einem Wachstum von elf Prozent im vergangenen Jahr die Latte für 2008 tiefer gehängt. VDMA-Präsident Manfred Wittenstein hatte sich dafür schon beinahe den Vorwurf der Tiefstapelei anhören müssen. Die Einbrüche bei den Bestellungen - im Mai minus zwölf Prozent - geben ihm jedoch recht.

Wiechers verwies darauf, dass angesichts des hohen Euro-Kurses der Wettbewerb mit Herstellern aus Amerika und Fernost immer härter werde. Hinzu kämen strukturelle Probleme. So litten die Märkte in Spanien und Großbritannien unter der schwachen Baukonjunktur. Insgesamt seien die Bestellungen bei den deutschen Baumaschinenherstellern von Januar bis Juni um 23 Prozent eingebrochen. Bei den Produzenten von Textilmaschinen betrage das Minus sogar 42 Prozent. Vor allem in China sei die Nachfrage stark zurückgegangen. Die Volksrepublik habe ihre Kapazitäten in den vergangenen Jahren stark ausgebaut, zudem gebe es dort immer mehr heimische Hersteller.

„Rohstoffe und Energie sind nach wie vor die Wachstumstreiber“, sagte Wiechers. Die Hersteller von Bergbaumaschinen hätten in der ersten Jahreshälfte bei den Bestellungen ein Plus von 39 Prozent in den Büchern stehen. Bei der Hütten- und Walztechnik liege das Plus sogar bei 63 Prozent. „Da halten wir nach wie vor durch.“

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