Verleumdungsaffäre
Die Last mit den gefälschten Listen

Bei der „Clearstream“-Affäre geht es darum, dass ein Unbekannter im Frühjahr 2004 gefälschte Kontenlisten der Justiz zugespielt hat. EADS würde am liebsten mit der ganzen Sache gar nichts zu tun haben. Was aber hat ein EADS-Manager bei einem Treffen des französischen Außenministers mit einem Geheimdienstler zu suchen?

PARIS. Die Pressemitteilung war ganze sechs Zeilen lang: In denkbar dürren Worten teilte EADS am Mittwoch mit, dass Jean-Louis Gergorin, Leiter Strategische Koordination, seine Aufgaben ruhen lässt, um sich ganz seiner Verteidigung zu widmen. Gergorin steht im Verdacht, Auslöser der Verleumdungsaffäre „Clearstream“ zu sein. Diese Affäre hält derzeit Frankreich in Atem und setzt Regierungschef Dominique de Villepin unter starken Druck.

Am liebsten würde EADS mit der ganzen Sache gar nichts zu tun haben. „Die Affäre Clearstream betrifft EADS nicht“, betonte ein Sprecher. Doch ist der Konzern zumindest betroffene Partei: Die Büros von Airbuschef Gustav Humbert und die von Gergorin wurden bereits von der Justiz durchsucht. Und EADS selbst tritt als Nebenkläger gegen Unbekannt in der Affäre auf.

Kurz gefasst geht es in bei der „Clearstream“-Affäre darum, dass ein Unbekannter im Frühjahr 2004 gefälschte Kontenlisten der Justiz zugespielt hat. Diese falschen Listen sollten beweisen, dass französische Manager und Politiker wie der heutige Innenminister Nicolas Sarkozy Schmiergeldkonten beim Börsenabwickler Clearstream haben.

Einer der Schlüsselfiguren in dieser Affäre scheint Gergorin zu sein; er leitete früher den Strategiestab des französischen Außenministeriums und hat daher beste Kontakte zu Politik und Geheimdiensten. So war er am 9. Januar 2004 bei einem Treffen des damaligen Außenminister Dominique de Villepin und des Geheimdienstgenerals Philippe Rondot dabei als es über die angeblichen Schmiergeldlisten ging. Das hat Villepin selbst bestätigt. Laut den Verhörprotokollen von Rondot hat ihm bei dem Treffen Gergorin sogar die Listen übergeben – was dieser bestreitet. So gibt es noch keinen Beweis dafür, dass tatsächlich Gergorin die Listen in Umlauf gebracht hat.

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