Verlust im Halbjahr verringert
Alstom übertrifft Erwartungen

Der angeschlagene französische Industrie-Konzern Alstom hat im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres positiv überrascht. Der Verlust wurde stärker als erwartet verringert und zugleich ein Plus bei den Neuaufträgen verzeichnet.

HB PARIS. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen nun Neuaufträge über dem Niveau des Vorjahres. Der Nettoverlust habe in den sechs Monaten bis Ende September 315 Mill. € nach 624 Mill. € im Vorjahreszeitraum betragen, teilte der Konzern am Donnerstag in Paris mit. Befragte Branchenexperten hatten im Schnitt mit einem Fehlbetrag von 360 Mill. € gerechnet. Alstom-Aktien zogen am Donnerstag um rund zehn Prozent an. Der Hersteller von Hochgeschwindigkeitszügen, Gasturbinen und Kreuzfahrtschiffen hatte zuvor die Warnung eines Analysten zurückgewiesen, wonach der Konzern möglicherweise nicht in der Lage sein werde, seine Schulden zu begleichen.

„Die Zahlen sind in Ordnung, teilweise sogar besser als die Prognosen. Und es gab keine Gewinnwarnung oder irgendwelche Hinweise, dass sich die Situation verschärft“, sagte Peter Reith von Frankfurt Trust über die vorgelegten Bilanzzahlen.

Der operative Gewinn sei im Halbjahr um 101 Mill. € auf 233 Mill. € gestiegen, teilte der Konzern weiter mit. Der Umsatz sei dagegen auf vergleichbarer Basis um zwölf Prozent auf 6,4 Mrd. € zurückgegangen. „Diese Ergebnisse zeigen, dass der im März 2003 gestartete Aktionsplan erste Früchte trägt“, sagte Alstom-Chef Patrick Kron. Besonders positiv bewertete Kron den Anstieg des Volumens der Neuaufträge um 51 % auf 8,4 Mrd. €. „Die kräftige Erholung bei den Neuaufträgen in allen unseren Sparten bestätigt, dass das Vertrauen der Verbraucher zurückgekehrt ist“, sagte der Unternehmenschef.

Der Umsatz werde im gesamten Geschäftsjahr 2004/05 um fünf Prozent sinken, die Umsatzrendite zwischen 3,5 und 4,0 % liegen, kündigte Alstom an. Das Unternehmen bezifferte seinen Cash-Flow auf minus 294 Mill. nach minus 674 Mill. € in der ersten Hälfte des vergangenen Geschäftsjahres. Für das Gesamtjahr rechnet Alstom mit einem Cash-Flow von rund minus 400 Mill. €. „Wie sind definitiv auf dem richtigen Weg, um 2005/2006 wieder positiven Cash-Flow zu haben“, sagte Kron. Außerdem sei Alstom in der Lage, alle Verbindlichkeiten zurückzuzahlen.

Eine gegenteilige Warnung eines Deutsche-Bank-Analysten hatte Alstom-Aktien am Montag deutlich einbrechen lassen. Kron sagte, er habe die französische Finanzmarktaufsicht AMF aufgefordert, die Praktiken von Analysten zu prüfen. Alstom muss in den nächsten 20 Monaten Verbindlichkeiten in Höhe von rund 1,8 Mrd. € zurückzahlen. Der negative Cash-Flow hat bei Analysten Sorgen geweckt, das Unternehmen könnte seinen Verpflichtungen nicht nachkommen.

Im Sommer war ein Zusammenbruch des Unternehmens mit Hilfe eines staatlichen Rettungsprogramms verhindert worden. Die Kommission der Europäischen Union (EU) in Brüssel hatte dieses Programm im Juli genehmigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%