Verlust in Norwegen
Bilfinger Berger unter Druck

Um 18 Prozent sind die Aktien des Baukonzerns Bilfinger Berger eingebrochen. Probleme macht offenbar ein Bauprojekt in Norwegen, das dem Unternehmen einen gewaltigen Verlust eingebrockt hat.

HB MANNHEIM. Deutschlands zweitgrößter Baukonzern muss bei dem Autobahnprojekt in diesem Jahr einen Verlust von 90 Millionen Euro wegstecken. Daher werde die Sparte Ingenieurbau entgegen den bisherigen Erwartungen ein deutlich schlechteres Ergebnis als im Vorjahr abliefern, warnte der Mannheimer Konzern. Die bisherige Risikovorsorge von 25 Millionen Euro müsse 2008 daher um weitere 65 Millionen aufgestockt werden, wie das MDax-Unternehmen mitteilte. Vor diesem Hintergrund werde die Ergebnisprognose für dieses Segment für 2008 auf 15 (bisher 58) Millionen Euro gesenkt.

Über alle Geschäftsfelder hinweg sei jedoch trotz der Ergebniseinbuße mit einer Zunahme des operativen Ergebnisses (Ebita) und des Überschusses zum Vorjahr zu rechnen, stellte Bilfinger Berger in Aussicht. So laufe das Geschäft bei den Dienstleistungen gut. Die Zahlen im Bereich dieses Wachstumstreibers – also der Wartung, Instandhaltung und Modernisierung von Produktions- und Kraftwerksanlagen – seien nach wie vor überdurchschnittlich, hieß es. Zu erwarten sei daher insgesamt ein Ebita von rund 260 (Vorjahr: 242) Millionen Euro und ein Überschuss von rund 140 (Vorjahr: 134) Millionen Euro.

Im vergangenen Mai hatte Konzernchef Herbert Bodner erklärt, Leistung und Ergebnis lägen im laufenden Geschäftsjahr „klar über dem Vorjahr“. Einen konkreten Ausblick für 2008 hatte er aber noch nicht präsentiert.

Die jüngsten Probleme bei dem Verkehrsinfrastrukturprojekt E 18, einem Joint Venture unter Federführung der Mannheimer, wurden nach Angaben eines Unternehmenssprechers durch zeitliche und logistische Schwierigkeiten beim Bau eines 475 Millionen Euro schweren Autobahnteilstück in Norwegen beschert. Der 38 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen Oslo und Kristiansand ist Bestandteil der Autobahn E 18, einer der Hauptverkehrsadern des Landes.

Das privatwirtschaftliche Projekt umfasst nach Darstellung des Baukonzerns auch das Errichten zahlreicher Brücken und Tunnel. Nach dem Bau übernimmt eine Projektgesellschaft, an der Bilfinger Berger zur Hälfte beteiligt ist, Betrieb und Instandhaltung des Teilstücks für eine Laufzeit von 25 Jahren. Dafür zahlt der norwegische Staat ein festes Entgelt.

Die Bilfinger Berger-Aktien büßten rund 18 Prozent ein und fielen auf 41,40 Euro zurück. Ähnlich wie bei Stada ist damit wegen der schwachen Prognose der Kurs massiv unter Druck gekommen. "Das Problem ist, dass diese Aussagen inzwischen als allgemeiner Trend gesehen werden", meint ein Händler. An und für sich überraschten die Probleme im Bausektor wegen der international abkühlenden Konjunktur und der Probleme an den Immobilienmärkten nicht allzu sehr. Im Bereich von 41 Euro wird nun eine erste Unterstützung ausgemacht, aber auch das Jahrestief bei 35,21 Euro müsse einkalkuliert werden.

In der vergangenen Woche waren auch die Aktien von Hochtief unter Druck geraten. Sie wurden Händlern zufolge von Spekulationen um eine mögliche Kapitalerhöhung der australischen Tochter Leighton belastet. In einem australischen Pressebericht war davon die Rede, dass Leighton für den kommenden Monat eine Kapitalerhöhung von 500 Millionen australischen Dollar plane. "Das wäre schlecht für Hochtief, denn dann müssten sie als Mehrheitseigner mitziehen", sagte ein Händler. Hochtief wollte keine Stellungnahme abgeben.

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